Liberale Genügsamkeit

In großen Gehirnen
Gedeiht ein Prinzip
Ein Wort für die Schönheit
Ist nicht unser Ziel

Seit neuestem kommt man selbst in liberalen Kreisen zu der Einsicht, die FDP genüge dem politischen Liberalismus nicht. Liebe Leser, denken Sie bitte einen Augenblick nach: „…genüge dem politischen Liberalismus nicht.“

Leichteres gibt es als den politischen Liberalismus, aber geben Sie mir einige Zeilen und vergessen diesen großartigen Begriff, denn vielleicht ist es besser, sich ihm vom anderen Flussufer zu nähern.

Des Sozialismus politischer Freund zu sein, ist einfacher; es sei denn, man ist Sozialist. Meist verurteilen Sozialisten alle bereits unternommenen Versuche, ebendiesen zu erschaffen, loben hier und da eine Reform von Chavez, den Geist von Guevara oder was es sonst noch gibt, dessen Urheber nicht jeder – wenigstens halbwegs gesunde Mensch – sofort in die Hölle wünscht. Mit Stalin hat man nichts zu tun, ebenso wenig seiner chinesischen, weißrussischen oder nordkoreanischen Gefolgschaft.Dazu sei gesagt: Niemand hat den Sozialismus besser verstanden als Stalin, denn nur er hat ihn nutzenmaximierend und rational genutzt. Dem Rest erging es so, wie es die Theorie vorgibt – nur angepasst an die Realität.

Was ist also die Aufgabe einer „modernen“ sozialistischen Partei? Beschönigen kann sie ein wenig, leugnen muss sie und immer wiederholen, was sich süß wie Honig und reiner als Milch anhört, was der eine aus Armut und der andere aus Unbildung zu glauben willens ist: Wohlstand und Gleichheit. Nehmt dem, der hat.

Mit Utopien spielen ist keine großartige Kunst. Einen guten Redner brauchts und Unzufriedenheit, aber die ist so ewig wie der Sozialismus selbst.

Ach, leicht ist es, Sozialist zu sein. Wie eine nie endende Sinuskurve läuft es; ja, es fällt auch, aber man weiß doch immer, dass es bald wieder steigt.

Nun zu den Bewahrenden des Guten, den Traditionalisten und Schützern der guten, alten Welt, der Vernunft, die Hüter der Trägheit: Die Konservativen.

Trägheit gibt es immer zuhauf, so ist eben der Mensch. Zwei Augen, Mund, Nase und der Wanst voll Trägheit. Solange diese jedoch nicht zusätzlich von Angst überschüttet wird, sondern ein wenig Vernunft das Ganze erhellt, ist es gesund und politisch durchaus förderlich. Wen würden ständige Revolutionen und Umstürze von Werten und Traditionen denn erfreuen, woran klammerte der Mensch seine Identität?

Politisch wird es jedoch schwer, wenn Fortschritt verhindert oder zumindest aus tiefster Skepsis streng kontrolliert werden soll. Die geliebte Staatssicherheit, das Haupt-Siegel aller schützenswerten Normen wird aus allen Himmelsrichtungen bedroht und als ob das nicht reichen würde, erfinden junge Menschen zusätzliche Sicherheitsbelastungen (www), ohne auch nur einen Gedanken an das Gute und Wahre zu verschwenden.

Willst du Konservativ sein, so: Besinne dich und erkläre das, worauf du dich besonnen hast, als heilig. Verehre Begriffe wie Sicherheit, Familie, Werte. Deine Definitionen sind nicht wandelbar.

So wirst du immer etwas zu schützen, zu bekämpfen haben, immer etwas, wovor du – auf die Vergangenheit verweisend – warnen kannst.

Die FDP soll aber dem politischen Liberalismus genügen. Das Ziel des Liberalismus sei eine Statue. Auf dem weg vom Steinklotz zu dieser Statue gilt es, wie einmal so wunderschön gesagt, alles Überflüssige zu entfernen. Übertragen auf die Politik bedeutet es, alle Freiheitsgrenzen zu beseitigen, mit jedem Hammerschlag den Fortschritt zu wahren (man beachte: nicht das Gute, sondern den Fortschritt zum Besseren!) und immer befindet man sich zwischen den Fronten der Sicherheit der Einen und der Freiheit der Anderen. Für Populismus bleibt weniger Raum, denn jeder Satz wird von einem „aber“ gespalten und simple Schlagworte bieten so keine Erklärung.

Man will die soziale Freiheit und auch die Freiheit, Liebgewonnenes zu behalten, sich für Umwelt einzusetzen, Geld zu verdienen und auch so frei sein und kein Geld verdienen zu wollen, solange man – soweit es geht – unabhängig ist.

Wer kein Freund des Liberalismus ist, soll es nicht sein. Wer es ist, der verstehe, welch gewaltiges Ziel jeder wahrhaftig Liberale gesetzt hat. Und ebendieses Ziel wird nicht auf Wolken schwebend in Manifesten verewigt, nicht mit fremder Menschen‘ Geld erträumt, sondern auf Versammlungen und Parteitagen, Antrag um Antrag, mühevoll zu erreichen gesucht.

Der Humorist Volker Pispers meinte: “Entweder Sie sind für den Mindestlohn oder Sie sind ein Arschloch! Und wenn Sie dann noch behaupten, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze kosten würden, dann sind sie sogar ein dummes Arschloch!”

Sind Sie ökonomisch auf nur ein wenig versiert, so wissen Sie, dass es durchaus lohnenswert ist, zu diesem Thema zu diskutieren. Und wer eine solche Diskussion auf einem liberalen Parteitag miterlebt hat, sollte froh sein um die Emotionalität, Sachlichkeit und Diversifikation der Debattanten.

Man sagt, dass Deutschland keine explizit liberale Partei brauche, in solch einer liberalen Gesellschaft. Die einen sind sozial-liberal, die anderen öko-liberal und die dritten national-liberal. Offenbar besteht ein Reiz, dieses kleine Wörtchen zu verwenden, ohne sich um seine eigentliche Bedeutung zu kümmern. Wir wissen um einen solchen Liberalismus.

Deshalb ist unsere Gesellschaft nicht liberal. Es reicht nicht, für die Homo-Ehe zu sein und Religionsfreiheit zu unterstützen. Der Liberalismus ist unendlich viel mehr, aber auch schwer verständlich. Man sollte sich um Aufklärung und Bildung bemühen, um der Freiheit und des Fortschritts willen.

Wenn es die Sünde der FDP ist, dem Liberalismus nicht zu genügen, dann ist es Meine, nicht über Wasser laufen und das Meer nicht spalten zu können.

Über filipppiatov

Welcome! Check out my new blog www.gdlf.me It's for everyone who's into entrepreneurship, social media and food.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Liberale Genügsamkeit

  1. Cosmo schreibt:

    „Niemand hat den Sozialismus besser verstanden als Stalin, denn nur er hat ihn nutzenmaximierend und rational genutzt.“

    Was mir auffiel, während der Arbeit: Steve Jobs hat bei Apple den Stalinismus auch ganz gut umgesetzt. Eigentlich fühlt sich das Innere jeder erfolgreichen Firma irgendwie stalinistisch an. Angst, totale Hingabe und Intrigen. Wir werden erzogen, trainiert und gebogen. Wir sollen dort neue Menschen werden, die ihre Handicaps tapfer überwinden und für das Gute eintreten. Den Gewinn. Das Wachstum. Die Verbesserung der Welt. Wir werden überwacht und ermahnt. Einbestellt und verfolgt. Die Dümmsten und prinzipienlosesten Opportunisten werden die Manager.

    Das heisst ja wohl, dass wir alle einen Teil unserer Lebenszeit, obwohl wir in der freiesten Zivilisation aller Zeiten leben, in einer stalinistischen Abteilung dieser Gesellschaft verbringen müssen.

  2. picard2606 schreibt:

    Liberalismus ist als Begriff mittlerweile dehnbar wie ein Kaugummi. Am meisten dehnt ihn aber die FDP.

    Ein dogmatischer Liberalismus im Sinne des Erfinders diskutiert überhaupt nicht über Mindestlöhne, er ist gegen jede Form von staatlicher Absicherung. Er begibt sich nicht zwischen Fronten, er ist gegen die allermeisten Formen von staatlichen Leistungen überhaupt, da er an die magisch regulierende Kraft des freien Marktes glaubt. Er plädiert für Privatisierung, von Bildung bis hin zu Wasserversorgung. Tut das die FDP? Meines Erachtens nein. Vielmehr dehnt auch sie den Begriff auf, verwurschtelt ihn hier mit ein bisschen Sozialdemokratie, da mit ein bisschen Konservatismus, hier ein bisschen Leistungsgedanke, da ein bisschen nette Pflegereform und soziale Nestwärme.

    Genauso wie jede „linke“ oder „rechte“ Partei mit Verstand (hier darf man die Linkspartei dann ausnehmen) hat sich die FDP von einer dogmatischen Auslegung ihres zugrundeliegenden politischen Systems verabschiedet und ist damit auch schon lange nicht mehr eine rein liberale Partei, genausowenig wie die SPD sozialistisch oder die CDU rein konservativ-christlich ist. Bei allen großen Parteien wird auf Parteitagen gestritten, nicht nur bei der FDP. Auch die SPD gibt schon lange keine grandiosen Heilsversprechen mehr, genausowenig wie es bei der CDU nur Bremser gibt.

    Ich halte diese Entwicklung unserer politischen Systems hin zu mehr Pragmatik für positiv, wenngleich sie auch seine Schwäche ist, da sie einen schärfer denkenden Bürger benötigt, der sich von simpler Dogmatik verabschiedet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s