Welt aus Worten

All dein pazifaschistisches Geschwafel

Ist nichts als böser Krieg in anderm Ton

Nach einem Jahr in Israel erlebe Ich Deutschland wie eine Traumwelt. Alles, worüber man sich hierzulande, seien es ernsthafte Probleme oder nicht, betrifft höchstens die allerwenigsten. Euro-Krise, Stuttgart 21, NSU, Klimawandel, Wulff-Affäre…

Ich will diese Dinge keineswegs herabstufen. Obwohl, Stuttgart 21 schon. Wer immer noch an der Mahnwache am Stuttgarter Bahnhof steht, hat ganz andere Probleme.

Doch zurück zu Israel: Schon alleine durch die Größe wird alles anders wahrgenommen. Das meiste passiert in einem Radius von wenigen hundert Kilometern. Lebt man in Tel Aviv oder Jerusalem, ist man mit Problemen sowieso ausgelastet. Aber vieles bekommt man unmittelbar mit; die Söhne dienen in der Armee, die Töchter ebenfalls und die halbe Verwandtschaft sowieso. Und die ist zuständig für die Sicherheit, die entweder von Palästinensern, oder von neuerdings Ultraorthodoxen bedroht wird.

Nicht von Beate Z., die niemand kennt und niemand je gesehen hat und die von Hans/Bernd/Peter festgenommen wurde, die man ebenfalls nicht kennt. Es ist also wesentlich leichter, in Deutschland zu leben. Dennoch will man ab und an denselben Puls haben, wie ein Israeli, dieselben Sorgen wie ein Ägypter und die gleiche Regierung wie die Russen.

Wo hat man in diesem verdammt friedlichen (und manchmal langweiligen) Land die Möglichkeit, mitzufühlen, sich aufzuregen und bedroht zu fühlen? Im Café mit Zeitung in der Hand, auf dem Sofa Tagesschau guckend, im Chefsessel SPON lesend.

Das einzige, was wahrgenommen wird, sind Worte.

Den Abschluss der Jahresempörungsbilanz bildet die Wahl des Unworts. Eine Sache, die nicht nur auf den ersten Blick ekelhaft erscheint. Dabei ist die erste fragt, die ein gesunder Menschenverstand stellen sollte: Warum zum Teufel wird ein Unwort gewählt und keine Untat?

Während eine Untat den Täter/Schuldigen verurteilen würde, empört sich das Unwort lediglich über einen erfolgreichen Journalisten (und Wortneuschöpfer). Dieses Jahr belegen „Dönermorde“ und „Gutmenschen“ die ersten Plätze.

Anstatt den Mord an Unschuldigen zu beklagen und Gutmenschlichkeit zu verurteilen, stört man sich leidglich am makaberen Beigeschmack oder der zu häufigen Verwendung des Begriffes. Aber wer Unworte kürt, wurde wohl mehr als einmal wohlverdient als Gutmensch bezeichnet. Nun, mich regen diese Begriffe nicht allzu sehr auf. Dönermord ist zwar unglücklich gewählt, aber in Relation zur Tat scheißegal, während Gutmensch neuerdings gerne von Schlechtmenschen verwendet wird, die jedoch den wahren Inhalt des Begriffs keineswegs schänden. Wo käme man hin, wenn man von bösen Menschen verwendete Begriffe nicht mehr benutzen dürfte (Jude!).

Jetzt ist es an mir, ein paar Unworte zu küren, habe ja schließlich ebenfalls ein Recht auf Unbehagen. Da die letzen Jahre mir eher wenig Empörung bereiteten, blicke ich lieber ein wenig tiefer in die Vergangenheit und küre rückwirkend für das Jahr 1945 den Begriff „Konzentrationslager“, herzlichen Glückwunsch, aber  es ist auch wahrlich ein blödes Wort. Ich zumindest verbinde nichts Schönes mit ihm. Konzentrationslager gibt’s also keine mehr, weiter geht’s…

Was helfen mir Jahre! Ich lebe auf großem Fuß, Jahrhunderte sind das Wahre! Nun, das Unwort des 20. Jahrhunderts ist…“Holocaust“! Kein hübscher Gedanke fällt mir zum Holocaust ein, nicht einer! Furchtbar, einfach grässlich…dieses Wort. Außerdem ständig von langweiligen Geschichtslehrern missbraucht, desweiteren zum Kampfbegriff verkommen, da nur in Form von Vorwürfen verwendet.

Doch nur ein Wort gibt es, das Ich zu gerne als Unwort sehen würde, auf dessen ständige Präsenz in sämtlichen Medien in belehrender, mahnender Weise Ich so liebend gerne verzichten würde.  Es soll nur vergessen werden, nicht mehr erwähnt werden, die Aufmerksamkeit endlich wichtigeren Dingen abgeben und nicht mehr den  emotionalen Mittelpunkt guter Freunde darstellen. Es ist der einzige wirkliche Kampfbegriff, ein Wörtchen, das jedem Stier rot und jeder Biene gelb scheint, obwohl es nur blau-weiß sein möchte. Israel.

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10 Antworten zu Welt aus Worten

  1. Carsten schreibt:

    Gut.

  2. FrankH schreibt:

    Sogar sehr gut. Das würde ich begrüßen, wenn man sich mal aus den Problemen Israels heraushalten würde. Weder wünschen die eine moralische Bewertung durch uns Deutsche, noch haben wir das Recht eine abzugeben.

  3. TKBananaPhone schreibt:

    der ständige fingerzeig auf israel, egal warum, (meistens eh in einem negativen kontext, wie soll es auch anders möglich sein) ist mal mehr, mal weniger subtil ein europäisches, besonders aber ein deutsches symptom von gewissensbereinigung. „schaut her, die sind doch auch nicht besser als wir – die sind sogar schlimmer. puuhh, neues tätervolk gefunden. und jetzt zu den wichtigeren dingen, meine herren!“
    ach, moment. gibt’s ja garnicht.

  4. Amparo schreibt:

    Netter Kommentar, aber in einer Sache irrst du. Es gibt keine Konzentrationslager mehr???? Dann schau nach Nordkorea…

  5. J.Huels schreibt:

    Sorry, aber hier liegt vielleicht ein Mißverstndnis vor:
    Gutmensch ist kein Begriff der „gute Menschen“ bezeichnet, sondern Menschen, die sich selbst für gut, ja besser halten und aus einer als moralisch überlegen empfundenen Position heraus auf andere heraubschauen, und nicht selten moralisch verkommene, menschen-verachtende Positonen vertreten. Kommunisten oder Öko-Faschisten zum Beispiel.

    Das Gegenteil von „Gutmensch“ ist nicht „Schlechtmensch“, sondern einfach nur „Mensch“.

    Wie sagt z.B. ein Jude oder ein Wiener, wenn er mit Achtung über einen Verstorbenen spricht: „Er war a Mensch!“

  6. Jeremias schreibt:

    TKBananaPhone sagt:

    Siehe Wulff und Wannseekonferenz. Das aktuellste Beispiel.

  7. J.T. schreibt:

    Junger Mann, Sie und Ihre Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge gefallen mir.
    Ich hoffe, noch viel von Ihnen zu lesen.

  8. picard2606 schreibt:

    Sehr guter Kommentar.

    Ein kleiner Einwand: Prinzipiell kann man natürlich jede Klage eines Sozialhilfeempfängers mit dem Hinweis auf den Hunger in der Welt abwiegeln. Will meinen: Probleme und die daraus resultierende Empörung sind eh etwas relatives. Wer den Juchtenkäfer als seinen Lebensmittelpunkt gewählt hat, empfindet Stuttgart 21 als etwas, das nah am Weltuntergang steht.

    Die wenigsten denken in historischen oder gar globalen Dimensionen. Man empfindet immer das, was einen gerade beschäftigt, als das maximalst bedrohlichste und „empörendste“. Ein Somalier würde die Sicherheitlage in Israel wahrscheinlich als Urlaub empfinden.

    Zu dem Wort „Gutmensch“: die von J.Huels beschriebene Bedeutung stimmt teilweise. Die Art, wie es von bestimmten Kreisen verwendet wurde, um jeden, der eine andere Meinung hat und beispielsweise an eine pluralistische Gesellschaftsordnung glaubt, zu diffamieren, hatte mit dieser Bedeutung aber nichts mehr zu tun.

  9. Eszmek schreibt:

    Gibt es noch konzertationlager-in gasa! Von ISRAEL und USA susammen.
    Keinr sagt sagt was wenn die Muslime unterdrückt und beleidgt werden. Frauen und Kinda werden gefoltat und geschlagen. Sie wollen alle nur ihren Freiheit und ihren Kultur.

    Deutschland wird immer schlimmer. Die Muslime sind heute was wo den Juden früher waren
    Man kriegt keinen Arbeit als Muslim. Frauen mit Kopftuch werden geschlagen von Nazi’s und vergewaltigt weil sie keinen deuschen Schlampen sind.
    Wir forden mehr Respekt weil sonst können wie Muslime nicht garantiern das wo friedlich bleibt.
    Wo bleibt Koranunterricht in Schule???!
    warum prowosiern Deusche uns Muslime mit den Kirchen? Überall sind Kreuze. Daß ist KEIN Tollerans!
    Deuschland mus viel gutt machen an den Muslimen. Wir haben Deuschland aufgebaut als wir als Gastarbeita gekommen sind und nur beleidigt wurden

  10. uniquolol schreibt:

    Dieser Artikel ist angenehm differenziert, er hinterfragt, er sucht den größeren Zusammenhang.

    Man kann Menschen grundsätzlich in zwei Gruppen einteilen: Die einen sind die, die Antworten haben, die anderen sind die, die Fragen stellen.

    Ich mag die Fragenden lieber…

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