Putins Revolutionsgarde

Wer auf den russischen Frühling gehofft hatte, wird sich wohl eine andere Jahreszeit suchen müssen. Putin sitzt wieder fest im Sattel und scheint nicht vorzuhaben, seine Karriere früher als erwartet zu beenden. Dabei setzt er nicht nur auf Propaganda oder gar Reformen. Wladimir Putin will eine Privatarmee.

Aber eins nach dem anderen. Die große Empörungswelle blieb nach den Wahlen aus, es wurde zwar ein wenig demonstriert, aber Aufstände fanden schlichtweg nicht statt.  Wer sollte sie auch anzetteln? Der Schachweltmeister Kasparow, der Pazifist Schewtschuk oder der Blogger und Jurist Nawalny? Das ist kein Revolutions-Personal.

Viel bedeutender waren die Äußerungen des – nicht zur Präsidentschaftswahl zugelassenen – Wirtschaftswissenschaftlers und Oppositionäres Grigori Jawlinski. Im Stile eines erfahrenen Demokraten bezeichnete er die Wahlen als berechenbar und deshalb nicht allzu ausschlaggebend und beschrieb den Weg, den die Opposition nun zu gehen hätte. Die Proteste in Moskau sollten ersetzt werden durch harten Wahlkampf auf Kommunalebene. Auch die nächste Dumawahl , allerdings erst wieder 2015 – würde ein wichtiger Schritt in Richtung Demokratie sein.

Dies ist die Ankündigung des Versuchs eines demokratischen, politischen Umbruches. Man wird sich zu einer Oppositionskraft formieren, womöglich eine gemeinsame Leitfigur finden und um wichtige Posten in Stadtparlamenten kämpfen, bis es dann um die Duma und das Amt des Präsidenten gehen wird. Es wird Demonstrationen geben und Fernsehdebatten, man wird das Internet verwenden und sich als wahre Alternative zum System zu verstehen geben.

Doch Putin sieht sich selbst, die Opposition sowie die Zukunft des Landes in einem anderen Licht.

Alles deutet darauf hin, dass Wladimir Putin dabei ist, eine Privatarmee zu formieren. Mehrere Zeitungen berichten von Treffen mit Militärs und Aussagen diverser Insider, auf den Aufbau einer neuen, militärischen Kraft schließen lassen, die Ähnlichkeiten zur Revolutionsgarde im Iran besitzt. Die neue Truppe wird auf Putins Kommando hören und ihm unmittelbar unterstellt sein.

Putin soll sich mit Generälen getroffen haben, um die Neustrukturierung der russischen Armee zu planen und die erwähnte Privatarmee organisieren. Diese soll aus Fallschirmjäger- und Infanterieeinheiten sowie Teilen der Spezialeinheit SpezNas bestehen. Ebenfalls soll die Militärpolizei eingegliedert werden, sodass mit einer Truppenstärke von bis zu 400 000 Mann gerechnet wird.

Es gibt nämlich einen Mangel, den Putin bemerkt hat und jetzt beseitigen will. Die für das Inland zuständigen Truppen sind mit ca. 182 000 Soldaten wesentlich kleiner als das Heer und wären somit nicht in der Lage, einen Militärputsch abzuwenden. Eine große, treue Armee auf Seiten Putins könnte einen solchen Putsch bereits durch ihre Existenz abwenden. Der letzte Militärputsch in Russland fand im August des Jahres 1991 statt, scheiterte jedoch an fehlender Überzeugung seitens der Streitkräfte sowie heftigen Demonstrationen der Bevölkerung.

Die Maßnahmen Putins kann man für berechtigt halten oder als Paranoia abtun. Es gilt jedoch, zuerst seine Befürchtungen zu beleuchten. Die Revolutionen im Zuge des Arabischen Frühlings verdeutlichten ihm die Notwendigkeit, eine starke Armee an seiner Seite zu haben, wenn man eventuelle Revolutionsversuche (auch politisch) überleben will. Wenn es hart auf hart kommt, wäre Putin lieber Assad als Mubarak.

So beobachtet er auch die friedlichen Kundgebungen und Massendemonstrationen in Moskau mit gewissen Hintergedanken. Würden die Bürger versuchen, den Kreml oder andere wichtige Plätze wortwörtlich zu belagern, um die Regierung zu stürzen, hätte Putin die Möglichkeit, sich dieses Problems militärisch zu entledigen, ohne auf die Unterstützung des Heers zu warten, welches  nicht nur fehlende Loyalität zeigen könnte, sondern durch schlichte Inkompetenz und mangelnde Mobilität auffällt.

Es kommen harte Zeiten auf den russischen Liberalismus zu. Die Opposition wird wohlbesonnen und vorsichtig vorgehen müssen, gute Verbündete suchen und Einigkeit zeigen. Mit der russischen (Anti-)Revolutionsgarde wird man nicht gut Kirschen essen können.

Über filipppiatov

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3 Antworten zu Putins Revolutionsgarde

  1. arprin schreibt:

    Keine schönen Nachrichten.

    Das russiche Militär scheint ja nicht gerade in einem guten Zustand zu sein (Dedowschtschina):
    http://www.aktuell.ru/russland/news/zahl_der_todesfaelle_in_russlands_armee_bleibt_hoch_18461.html
    “In der russischen Armee ist die Todesrate weiterhin enorm hoch. Pro Jahr sterben nach Einschätzung des „Komitees der Soldatenmütter“ etwa 3.000 Wehrdienstleistende. Besonders hoch ist der Anteil der Selbstmorde an der Sterberate.“

    Organhandel mit China:
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,717694-2,00.html
    Generalstabschef warnt vor Rekrutenmangel und Atomkrieg:
    http://www.russland.aktuell.ru/russland/politik/armee-perspektiven_rekrutenmangel_und_atomkrieg_4252.html

    In dem dritten Teil von „Wer ist Wladimir Putin?“ hieß es doch zum Schluss:
    „Ist das Land denn völlig frei von Demokraten, fragen Sie sich womöglich. Gibt es denn niemanden, der Putin Paroli bieten kann? Niemanden, der sowohl intelligent, als auch populär wäre? Selbstverständlich gibt es sie. Nicht zuhauf, aber doch gibt es sie.“
    Welche Persönlichkeiten waren da gemeint?

  2. filipppiatov schreibt:

    Vierter Teil kommt bald🙂

  3. Pingback: Vierter Teil – Putins Gegner | Liberales aus Politik, Gesellschaft und Kultur

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