Debile Friedensforschung

Reisen aufgeklärte Friedensaktivisten -Pazifisten von Geburt an, nach Israel – so ist der Friedenswille das Maß aller Dinge. Es geht nicht um Wohlstand, Kultur oder Wirtschaft. Der einzige Wert ist der Friedenswille der Einheimischen. In einem Hostel in Jerusalem traf ich solche Aktivisten, die mir sagten, warum sie nach „Palästina“ gekommen sind. „ I want to see, how it is. If  the people want peace.” Ich kam, um Jerusalem zu genießen, Hummus zu essen und Wasserpfeife zu rauchen. Diese Menschen kamen für Größeres; sie waren Friedensjäger.

Dabei gibt es wenig Dümmeres, als Hobby-Friedensforschung. Nicht nur wegen der Voreingenommenheit der „Forscher“, sondern aufgrund der Mannigfaltigkeit der Bedeutung des Wortes Frieden.

Am Strand von Tel Aviv sitzen Europäer mit Israelis zusammen, alles junge Leute. Es wird die Frage der Fragen gestellt: „Wollt Ihr Frieden?“ Welcher Frieden ist aber gemeint? Für uns verwöhnte Europäer ist Frieden, wenn niemand schießt. Für Israelis ist Frieden, wenn man noch schießen kann. Denken pazifistische Aktivisten an Frieden, so ist es eine blumige und harmonische Vorstellung, in der Menschen aller Couleur  sich vertragen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Peace ist eine Lebenseinstellung, ein Lebensgefühl.

In Israel ist man  nüchterner. Nach drei Jahren Armee ist Frieden, wenn kein Krieg ist. Wenn man nicht Angst um sein Leben haben muss und die Staatsgrenzen sicher sind. Man verzichtet auf den Anspruch, mit der Hamas Polka zu tanzen. Es reicht, wenn sie keine Raketen schießt.

Diese beiden Vorstellungen sind nicht miteinander vereinbar; aus kulturellen und historischen Gründen. Was in Israel Frieden ist, ist für uns Europäer höchstens ein Waffenstillstand. Mit Nachbarn in Frieden leben hieße ja nicht, sie vom Krieg abzuhalten. In Israel heißt es genau das. Man lebt auch in Frieden mit den Ägyptern, die gerade lauthals jegliche Friedensverträge mit Israel aufkündigen. Aber solange sie nicht schießen, ist Frieden. In Europa ist Frieden, wenn man ohne Pass über den Rhein kann, um Wein und Käse zu kaufen, ohne auch nur ein Wort französisch zu sprechen.

Aber ist Europa denn wirklich friedlicher? Ein Holocaust-Überlebender sagte mir in Israel, man wolle lieber den israelischen Krieg, als den europäischen Frieden. Ich verstand nicht, er erklärte: Lieber alle fünf Jahre eine Erkältung als alle sechzig Jahre Krebs. Trotz der letzten friedlichen Jahrzehnte in Zentraleuropa sollte man nicht meinen, den ewigen Frieden erreicht zu haben. Die letzten Jahrhunderte Europas waren kein Vergleich zur  Situation im Nahen Osten.

Man kann es auch wie folgt ausdrücken: Wir verweigern den Wehrdienst für den Frieden, die Israelis gehen für den Frieden in die Armee. In Frieden zu leben, heißt vor allen Dingen zu leben. Als 1945 der Krieg in Europa aufhörte und der Frieden kam, feierte man in Israel nicht. Mit dem Frieden kam die Nachricht von 6.000.000 Toten. Um einen solchen Frieden zu vermeiden, nimmt man gerne drei Jahre Wehrdienst in Kauf.

Antwortet ein Israeli also wenig begeistert auf die Friedensfrage und äußert dann noch Wohlgefallen am Wehrdienst, passt er so gar nicht ins pazifistische Weltbild, erst recht nicht ins Europäische. Ein souveräner Nationalstaat mit anderen Vorstellungen von Frieden? Das kommt hierzulande nicht gut an.

Der zweite Teil der Friedensforschung für Liebhaber verläuft simpler, aber nicht weniger absurd. Meist werden Palästinenser nicht einmal gefragt, ob sie denn Frieden wollten. Man nimmt man, der vermeintlich Schwächere wolle den Frieden auf jeden Fall.

Es kommt den Pazifisten nicht in den Kopf, dass es Palästinenser gibt, die einen Frieden ohne den jüdischen Staat haben wollen und damit gar keinen Frieden. Es kommt ihnen nicht in den Kopf, klar und deutlich zwischen Volk und Regierung zu unterscheiden; anders als in Israel vertritt Abbas keineswegs die Interessen der Bevölkerung. Ganz zu schweigen von ihrer Funktion als Marionette aller möglichen arabischen Staaten. Ob die Palästinenser Frieden wollen, hängt nicht nur von ihnen ab, sondern viel mehr von den Geldflüssen aus dem Iran, Syrien, Ägypten und anderen Freunden Israels.

Israel sieht sich alldem gegenüber gestellt. Welchen Frieden soll es wollen?

Wenn die Araber die Waffen niederlegen, wird es keinen Krieg mehr geben. Aber wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es Israel nicht mehr geben.

Über filipppiatov

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Eine Antwort zu Debile Friedensforschung

  1. etwasanderekritik schreibt:

    Lieber Filipp
    Wieso auch immer die Hobby-Pazifisten nach Israel gehen ist gut. Ich finde es sehr gut, dass sie das Geld in Israel ausgeben. Besser als in „Friedensprojekte“ für Palästinenser und damit Terror gegen Israel. Und vielleicht passiert ein Wunder und einer diesen Pazifisten sieht wie es wirklich ist in Israel. Wäre wünschenswert. Dani

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