Jüdische Freunde: Gideon Levy

Die israelische Linke steht vor großen ideologischen Herausforderungen. Sowohl politisch, als auch gesellschaftlich sucht man nach Menschen, Ideen und Zielen. Und das betrübt sogar mich, einen bekennenden Unterstützer Netanyahus. Es macht keinen Spaß mehr, die Haaretz zu lesen. Man regt sich nicht mehr über präzise Polemik auf und kann sich nicht der Widerlegung gut formulierter Argumente widmen. Die große, linke israelische Zeitung hat der Rechten wenig entgegen zu setzen und erweckt höchstens etwas Mitleid. Sorgen mache ich mir nicht. Sie wird sich neu formieren und schon bald wird es wieder krachen. Dem Pluralismus zuliebe.

Nur einen, großen, unverzeihlichen Schandfleck hat die Haaretz zu verzeichnen, die geistige Kassam-Rakete der israelischen Linksextremen, den jüdischen Zeigefinger der Hamas, den berühmt-berüchtigten, von allen Israel tief Verbundenen oft zitierten jüdischen Freund, den Kolumnisten Gideon Levy.

Er ist der Jakob Augstein, Jürgen Elsässer und Jürgen Todenhöfer Israels; in einer Person.

Als Levi 1953 auf der großen, weiten Welt erschien und nicht einhellig als Messias begrüßt wurde, erkannte er, laut eigener Aussage „Patriot“, die „moralische Blindheit“ des eigenen Volkes und widmete seine gesammelten Mängel an Intelligenz und Talent der Erleuchtung seiner sehbehinderten Brüder und Schwestern.

Seit 30 Jahren schreibt Gideon Levy ununterbrochen über den Konflikt mit den arabischen Nachbarn, die Wirkung dessen auf die israelische Gesellschaft und das permanente Versagen der Politiker. Ungeachtet abwesender Kenntnisse der arabischen Sprache ist er einer der populärsten und bekanntesten Journalisten des Landes, international selbstverständlich hoch im Kurs und mit allen – ihm ähnelnden – Freunden Israels wie Amos Oz gut vernetzt.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, hier ein Beispiel von Levys intellektuell anmutender, geistiger Entgleisung. Zum Grass-Skandal verfasste Levy einen Artikel mit der Überschrift „Israelis can be angry with Gunter Grass, but they must listen to him“. Israelis, nicht er selbst. Grass habe völlig Recht mit seiner Behauptung, Israel würde den Weltfrieden gefährden. Ebenso sei die Kritik an den israelischen A-Bomben gerechtfertigt; insgesamt hätte Grass Dinge gesagt, die wirklich gesagt werden müssten. Er hätte nur etwas übertrieben und damit sich selbst geschadet.

Ganz selbstverständlich charakterisiert Levy auch die deutschen Freunde Israels und ordnet sie in Kategorien ein: Blinde Unterstützer und wahre Freunde Israels, die Israel kritisieren. Äußerungen von Grass und Gabriel fallen für ihn dabei unter Kritik, keinesfalls unter Antisemitismus oder Ressentiments.

Den Artikel beschließt er mit einem noch seltsameren Argument: They are not anti-Semites, they are expressing the opinion of many people.” Na dann. Wenn viele es sagen, kann’s kein Antisemitismus sein.

Levy befasst sich aber auch mit wichtigen, innenpolitischen Themen, von denen ihm keines zu groß vorkommt. Nun ist es aber so, dass große Herausforderungen große Definitionen, ausgefeilte Gedankengänge und komplexe Antworten verlangen, aber ebenso große Fehler mit sich bringen. Levy scheint sich auf Letzteres zu beschränken.

Dem Zionismus bescheinigt er längst Überfälligkeit. Das sei so, weil Israel bereits existiert. Scharfsinnig, zweifellos. Aber nicht nur das; Israel versuchte, einen neuen Zionismus zu etablieren, noch totalitärer als der Alte. „Nur Zionisten“ hätten Platz in Israel. Zwar ist Israel weder ein totalitärer Staat, noch habe ich jemals „Kauft nicht bei Anti-Zionisten“ gehört, aber Levy scheint von diesen Dingen fest überzeugt zu sein. Wenn Sie das schon für Unsinn halten (und somit völlig im Recht liegen), dann passen Sie auf, ich übersetze den nächsten Absatz, in dem Levy den Zionismus neu definiert, es aus der Perspektive imaginärer Feinde anwendet und einen Bogen zur verbrecherischen Gesellschaft Israels zieht:

Jeder, der in der Israelischen Armee dient, ist ein „Zionist“; jeder, der weit weg von Tel Aviv siedelt, ist auch ein „Zionist“; jeder, der freiwillig Anderen hilft, den Armen, den Schwachen, den Blinden, den Kranken und den Lahmen – ein „Zionist“; jeder, der spendet – ein „Zionist“; jeder, der die Nationalhymne singt und die Nationalflagge aufhängt und jeder, der strammsteht, wenn es nötig ist (oder unnötig); jeder,  der siedelt und verstört(unsettles); jeder, der jede staatliche Ungerechtigkeit rechtfertigt; jeder, der ein- oder sogar auswandert ist ein Zionist und ein Sohn eines Zionisten. Wir alle sind Zionisten; nun, fast alle.

Alle, die mal in Israel waren, sind, Touristen oder Israelis, hören diese Definition zum ersten Mal. Das Interessante an ihr ist der verbrecherische Aspekt. Levy hält den Zionismus also nicht nur für überholt, wie anfangs behauptet, sondern schlicht für eine Untat. Dass ein Zionist jemand ist, der sich für das Existenzrecht Israels als jüdischer Staat ausspricht vergisst Levy. Dass ein Zionist idealerweise auch seinen Beitrag dazu leistet, ist klar. Aufschlussreich ist Herrn Levys Vorstellung von der israelischen Realität – ausschließlich geprägt vom Bemühen, ein guter Zionist zu sein – , in der er sein Dasein fristet, einsam auf einem Thron über dem Sündenpfuhl Tel Aviv.

Aber Levy kann auch weniger ideologisch sein, weniger fixiert auf Definitionen großer Begriffe. Manchmal ist er auch einfach nur geschmacklos. Vor kurzem starb der Vater des Premierministers Netanyahu im hohen Alter von 102 Jahren. Benzion Netanyahu war Historiker, angesehen und fleißig. Er sicherte sich – nicht nur durch seine beiden Söhne – einen Platz in der neuen, israelischen Geschichte. Wie erwähnt starb er am 30 April. Selbstverständlich wurde in Israel viel darüber berichtet, man zeigte seinen Sohn und Premierminister Benyamin bei der Beerdigung mit seinem Sohn, trauernd und ruhig. Shimon Peres hielt eine Rede, in der er den verstorbenen Historiker würdigte; vermutlich übertrieb er, wie es sich bei solchen Reden gehört.

Levy wittert einen Komplott und titelt „Der Tod von Netanyahus Vater ist kein Grund für Staatstrauer“.  Er hat Recht, kein Israeli sah es anders. Dann wird er widerlich: „For a moment, Benjamin Netanyahu indeed pulled at our heartstrings. Als Einziger scheint Levy Netanyahus Absichten erkannt zu haben. Wie kein anderer wird Bibi sich wohl über den Tod seines Vaters und den daraus resultierenden Medienrummel gefreut haben. Vermutlich starb dieser auch nur, um Levy eins auszuwischen.

Es gäbe viele vergleichbare Intellektuelle, israelischer und bedeutender, die keine solche Zeremonie bekämen.  Dies alles sei den monarchistischen Zügen Netanyahus geschuldet, der das Land bereise wie eine Banenrepublik und weit über den Normalbürgern stehe. Ich fasse zusammen: Netanyahus Vater starb, der Sohn trauerte, Levy wütete. Ein Skandal, der seinesgleichen sucht. Ein Skandal, den nur einer bemerkte; Gideon Levy.

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3 Antworten zu Jüdische Freunde: Gideon Levy

  1. Krteque schreibt:

    Ja, die mehrheitsaffine HaAretz, es reicht schon ein Blick in die Kommentarspalten der Artikel um zu wissen von woher der Wind weht. Zum Glück gibt es aber auch noch ein paar Leute wie Ari Shavit, die sich nicht zu solchen (oben genannten) Dummheiten zerren lassen, oder das gar gerne tun.

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