Die Unmöglichkeit einer Debatte

Neulich im Supermarkt. Das üblicherweise friedlich anmutende Gemüseregal zieht meine Aufmerksamkeit durch eine seltsame, unheilvolle Sonderbarkeit auf sich. Ein Haufen dunkler, handgranatenförmiger Früchte liegt vor mir; ich ahne es bereits. Es sind wohl Avocados. Der Name der Sorte: Hass, Hass-Avocados. Ich schlucke. Ein Blick auf das Etikett bringt Gewissheit: Herkunftsland Israel.

Bei aller Fantasie mag es Herrn Albrecht Schröter, Bürgermeister von Jena, wohl nicht so ergangen sein, als er sich dazu entschloss, „Pax Christi“ bei ihrem Boykottaufruf israelischer Waren aus den Siedlungen zu unterstützen. Seitdem führt die pro-israelische Gemeinde eine Debatte gegen Herrn Schröter und versucht argumentativ, den Boykott-Aufruf zu widerlegen. Um Antisemitismus-Vorwürfe abzuwehren, sagte Schröter vielerlei Entlarvendes und wenig Hilfreiches.

Bereits eine Aussage reicht für die Entkräftung seiner Argumentation: „Ich selbst werde z.B. auf den von mir sehr geschätzten Karmel-Wein nicht verzichten und freue mich über jedes Glas Macabee-Bier oder über die berühmte Sharon-Frucht!“

Absolut niemand freut sich über ein Glas Macabee-Bier, da dieses widerliche Gebräu nicht nur unverschämterweise als Bier verkauft wird, sondern tatsächlich einer der wenigen, sehr stichhaltigen Gründe für Antisemitismus ist.

Für die in Internet und Zeitungen geführte Debatte sind jedoch andere Aussagen interessanter. „Aber Produkte, die im Unrecht entstanden sind, demütigen die Enteigneten und bringen den Erzeugern keinen Segen – das ist meine Meinung.“ Nach einem solchen Satz sollte jegliche Debatte umgehend beendet werden. Denn was ist eine Debatte? Eine Debatte ist ein Austausch von Argumenten und beinhaltet das Ziel eines Kompromisses oder eines Sieges der – argumentativ – besseren Seite.

Albrecht Schröter setzt diese Regeln außer Kraft. Denn würde ihn Unrecht „innerlich zerreißen“ und dazu bringen, in ebendiesem Unrecht produzierte Waren zu boykottieren, so würde er selbstverständlich und schon seit langem Waren aus Russland, Iran, Syrien, China, Ägypten, Türkei, Ungarn, Saudi-Arabien und vielen anderen Unrechtsstaaten boykottieren. Ebenso selbstverständlich tut er dies nicht. Und er denkt nicht mal daran. Nicht, weil es „realpolitisch“ nicht möglich wäre, andere Länder auf heftigste Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen, sondern weil andere Länder schlicht und einfach nicht Israel sind. Es sind keine Israelis und keine Juden, die man kritisieren würde und das macht jegliche Anstrengungen des eigenen Gewissens völlig unnötig.

Diese Debatte ist keine Debatte, weil Schröter von irrationalen, himmelschreienden Einseitigkeiten geleitet wird und nicht das geringste Interesse an der Realität hat. Es ist keine Debatte, weil Schröters Ziel nicht die Durchsetzung des Völkerrechts ist, denn sonst müsste es überall durchgesetzt werden. Allerhöchstens ist es ein Versuch, sich des Schauderns zu erwehren, den man empfindet, wenn man „Kauft nicht bei Israelis“ liest.

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3 Antworten zu Die Unmöglichkeit einer Debatte

  1. Ronald Hörstmann schreibt:

    Habe im vergangenen Jahr von einem Boykottaufruf verschiedener „Pax Christi“- Institutionen gelesen. Z.B. von den Friedensräumen in Lindau am Bodensee. Dazu habe ich denen meinen entsprechenden Kommentar geschickt. Das ist einfach skandalös für eine angebliche Friedensorganisation und das hat nicht mit einer nur kritischen Einstellung der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern zu tun, auch nicht mit Antisemitismus. Sondern es gehört sich einfach nicht für eine „Friedensorganisation“ einseitig Stellung zu nehmen. Man könnte ja fast eine bestimmte gelenkte Denkungsweise dahinter vermuten. Für mich ist das einfach nur eklig.

  2. Peter schreibt:

    …well roared!

  3. Theodor Bicking schreibt:

    „Pax Christi“ spricht die Sprache des Totalitarismus. Gebt Ihnen Macht und Ihr werdet Sie erkennen.

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