Wie Israels Freunde das Judentum verändern wollen

Wer unmögliche Debatten mag, wird in diesen Tagen seine Freude haben. Das Beschneidungsurteil hat eine Diskussion entfacht, die mehr spaltet, als man annehmen könnte. Um es bildlich auszudrücken: Sie geht durch alle Szenen, wie das Messer durch die Vorhaut. Man muss natürlich nicht sagen, dass es eine prinzipielle Diskussion ist; kaum jemandem geht es um die Vorhaut selbst. Zuallererst schien es ein Zusammenstoß von Religion und Weltlichkeit, Brauchtum und Rechtsstaat zu werden; spannend, aber vorhersehbar.

Viel interessanter geht es innerhalb der pro-israelischen Szene zu, die ebenfalls verschieden auf das Urteil reagierte. Man kann die Unterstützer des Urteils dabei in drei Gruppen zusammenfassen. Zum einen gibt es die Vollblutjuristen oder leidenschaftlichen Rechtsstaatler, die Beschneidung logischerweise als Körperverletzung sehen und diese nicht zulassen können, sei es aus religiösen Gründen oder nicht. Diese Leute vertreten keine Meinung, die man nicht auch in anderen Gruppen, ob pro-israelisch oder nicht, wiederfindet.

Die zweite Gruppe besteht aus verkorksten Nationalisten, die sich als konservativ bezeichnen (mit von Stauffenberg/Martin Luther/dem Papst als Idol) und Israel nur unterstützen, weil sie Moslems nicht mögen, die israelische Nationalstaatlichkeit dem deutschen EU-Knacks vorziehen, dem linken  ‚Anti-Zionismus‘ widersprechen (weil er von links kommt) und große Waffen eigentlich ganz dufte finden; erst recht in den Händen hübscher, junger Frauen. Um Israel an sich geht es dieser Gruppe ebenso wenig, wie es den Linken um die Palästinenser geht. Für sie ist Israel ein Anker im linken Medienmeer, nichts weiter.

Im dritten Fall ist schon etwas komplexer. Menschen, die sich in jede Israel-Debatte werfen und den jüdischen Staat bis in den Himmel loben, ihn überall verteidigen und Antisemiten kampfeslustig enttarnen. Allerdings hat sich bei diesen glühenden Israelfreunden unbemerkt ein Zwiespalt eingeschlichen, der die latente Unehrlichkeit ihres positiven Israel-Knacks‘ offenbart.

Hier ein kleiner Einschub über das Wesen des Staates Israel und die Bedeutung der „brit mila“, zu Deutsch Beschneidung. Gegründet wurde der Staat Israel nicht, damit man in Tel Aviv gut feiern und den Rest der Welt mit nettem High-Tech versorgen könnte, sondern weil die Bevormundung durch Nichtjuden das jüdische Volk an seine physischen Grenzen brachte. Und der Baustein für den Staat Israel war nicht nur die Entschlossenheit der Gründer; Ben Gurion, Weizmann, Begin. Das Fundament für die Gründung eines jüdischen Staates war – diese simple Tatsache wird gern übersehen – die Existenz des jüdischen Volkes, welches nach vielen Jahrtausenden immer noch als Volk und Glaubensgemeinschaft bestand. Und diese Existenz wurde nicht von – zweifellos großartigen –  Persönlichkeiten wie Spinoza, Einstein oder dem Fünftel unter den Nobelpreisträgern gewährleistet, sondern ist ausschließlich der Religion und Tradition zu verdanken; den zahllosen Stunden in der Jeschiva, den unendlich vielen Diskussionen über den Talmud; kurz: Der dauerhaften Beibehaltung religiöser Werte.

Und auch hier ist eine Besonderheit des Judentums zu beachten. Bei all der innerreligiösen Diskussionshärte sperrte man sich gegen elementare Veränderungen ab. Man interpretierte, änderte und reformierte, aber weltliche Kompromisse blieben die Ausnahme und mussten religiös begründbar sein. Indem man sich als Volk definierte und Mission verbot, etablierte sich die Beständigkeit als Wert im Judentum. Ganz oben auf der Liste unveränderlicher Pflichten steht die Beschneidung, die laut religiösem Lehrbuch gegen Diskussion und Reformation abgesichert ist. Weitere solcher Pflichten sind die Regeln des Kashrut (kosheres Essen, Kleidung…) und das Anlegen von Tefillin. Dabei versuchen die Juden nicht einmal, den Sinn der Beschneidung zu verstehen oder zu interpretieren; sie ist G’ttes Wort, G’tt zählte sie zu den unveränderlichen Pflichten und so soll es sein bis auf alle Ewigkeit.

Wer das Judentum nur oberflächlich kennt und versucht, die Diskussionsfreude der Religiösen auf die Beschneidungsdebatte zu lenken, wird versagen. Denn so sympathisch man als Säkularer das Judentum finden kann, so darf man doch nicht vergessen, dass es immer noch eine Religion ist; mit all ihren religiösen Eigenheiten. Und im Falle der Beschneidung lautet die Eigenheit: Keine Veränderung.

Für leidenschaftliche Unterstützer des Staates Israel ist das Judentum jedoch zu einer Marke geworden, die man genauso mit Israel verbunden hat, wie die ‚Anti-Zionisten‘. Solange der Jude/Israeli tolle Technik entwickelt, mit Maschinengewehr vorm Davidstern posiert, Israels Demokratie preist, Geld verdient, Preise gewinnt und Terroristen tötet, ist er eine Marke. Verfolgt, ewig in der Minderheit und dennoch erfolgreich; das sind hervorragende Attribute. Doch sobald der Jude sein Kind beschneiden will, einen Tag fastet und am Shabbat den PC aus lässt, verliert er seine hippen Eigenschaften und entspricht plötzlich so garnicht mehr dem liberalen Weltbild seiner ehemaligen Unterstützer. Und ist er dann nicht mal mehr bereit, seine eigentlich vorhandene Diskussionsliebe auf religiöse Grundpflichten anzuwenden, so wird aus dem netten Shlomo der fanatische Fundi.

Hierbei ist es spannend zu beobachten, wie ähnlich Israel-Freunde und ‚Anti-Zionisten‘ agieren. Während man auf Polenz‘ Pinnwand versucht, den Israelis ihre Politik zu erklären und sie zu deutschen Werte zu überzeugen, verlangen die Israel-Freunde gleich eine theologische Debatte, damit die Juden einsehen, dass Beschneidung eigentlich garnicht nötig ist und man ohne eigentlich viel weltlicher rüberkommt. Jüdische Theologen sollen also an den Grundpfeilern der Religion arbeiten, weil ein Kölner Landgericht  einen Beschluss gefasst hat, der möglicherweise dem deutschen Grundgesetzt entspricht. Oder etwa, weil man selbst theologisch so fundiert ist, dass man den Juden vorschreiben kann, was sie zu tun haben? Am deutschen Wesen soll also die Welt genesen, wie bei den ‚Anti-Zionisten‘, so auch bei den Freunden Israels.

Ebenfalls gleich ist die Herbeischaffung jüdischer Zeugen, die die eigene Meinung gleich doppelt legitimieren. Die Linken stützen sich auf Chomsky, Levy, Hass und Hecht-Galinski, Israels Freunde bevorzugen Herzl, der nicht viel von Bedeutung spricht. Dass Herzl jedoch – aus theologischer Sicht – dieselbe Bedeutung für das Judentum hat wie eine Irene Wachendorff, wird – aus Unwissen oder Ignoranz –  außer Acht gelassen. Jude ist Jude, der weiß schon Bescheid.

Ob sie wissen, dass selbst der Großteil der lässigen Tel Avivis viel auf Beschneidung hält, allen positiven Vorurteilen zum Trotz? Ob sie verstehen, dass die jüdischen Israelis sich zuerst als Juden sehen?

All das, was die Pro-Israelis den Antisemiten in den Diskussionen vorwerfen, wenden sie selbst nun an. Dabei vergessen sie ihr Hauptargument am schnellsten: Die Juden wissen selbst ganz gut, worüber sie zu diskutieren haben.

Über filipppiatov

Welcome! Check out my new blog www.gdlf.me It's for everyone who's into entrepreneurship, social media and food.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

52 Antworten zu Wie Israels Freunde das Judentum verändern wollen

  1. arprin schreibt:

    „Ganz oben auf der Liste unveränderlicher Pflichten steht die Beschneidung, die laut religiösem Lehrbuch gegen Diskussion und Reformation abgesichert ist. Weitere solcher Pflichten sind die Regeln des Kashrut (kosheres Essen, Kleidung…) und das Anlegen von Tefillin. Dabei versuchen die Juden nicht einmal, den Sinn der Beschneidung zu verstehen oder zu interpretieren; sie ist G’ttes Wort, G’tt zählte sie zu den unveränderlichen Pflichten und so soll es sein bis auf alle Ewigkeit.“

    Die theologische Debatte ist mir völlig egal. Wir sollten in Sachen Justiz keine theologischen Fragen mehr diskutieren, ob die Torah oder Bibel oder Koran etwas vorschreibt oder nicht ist vor Gericht so unwichtig wie nur irgendwas. Keine Religion hat ein „Recht“ darauf, ihren „Fortbestand“ mit der Verletzung der Rechte von Individuen zu sichern. Wenn man die Beschneidung verteidigen will, sollte man nicht religiös argumentieren, wie viele religiöse Bräuche müsste man dann legalisieren.

    Vom liberalen Standpunkt aus betrachtet hat jeder das Recht, seine religöse Traditionen auszuleben, solange sie nicht die individuellen Rechte eines Menschen verletzen. Wenn die jüdische Religion bei konsequenter Anwendung der individuellen Rechte eines Menschen verschwindet, dann ist das nicht die Schuld besagter Rechte, für die die Menschen lange kämpfen mussten. Willst du allen Ernstes behaupten, dass die Beschneidung keine Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit ist?

    Dass du den proisraelischen Beschneidungsgegnern vorwirfst, die Juden genauso wie die Antizionisten bevormunden zu wollen, finde ich arg daneben. Die Antizionisten wenden doppelte Standards an, wenn sie Israel „kritisieren“. Ich unterscheide aber nicht zwischen jüdischer oder nicht-jüdischer Beschneidung. Es geht nicht primär um Juden, das Verbot wurde nach dem Fall eines muslimischen Jungen beschlossen. Nebenbei: Es gibt bei der Beschneidung weiblicher Genitalien nicht nur die radikale somalische Variante, sondern auch welche, die ziemlich genau der männlichen Beschneidung entspricht, indem man nur die Vorhaut der Klitoris entfernt. Trotzdem sind die meisten männliche Beschneidungsbefürworter gleichzeitig gegen jede weibliche Beschneidung. Logisch ist das nicht.

    • alibaba schreibt:

      @ arpin
      Sie sind also der Meinung ein Kölner Amtsgericht könne die Beschneidung jüdischer oder muslimischer Knaben verbieten? Wie beeinträchtigt die Beschneidung Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit? Warum sahen Sie ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit vor diesem Richterspruch nicht beeinträchtigt? Der tollste Satz in Ihrem Posting:
      „Wenn die jüdische Religion bei konsequenter Anwendung der individuellen Rechte eines Menschen verschwindet, dann ist das nicht die Schuld besagter Rechte, für die die Menschen lange kämpfen mussten.“
      Der Richter in Köln hat also sein individuelles Recht konsequent durchgesetzt

      • Karsten schreibt:

        In diesem Fall war es ein Berufungsurteil und also ein Koelner Landgericht. Und auch wenn man es noch so polemisch hindreht mit „Amtsgericht“ und „verbieten“, ein Gericht setzt das bestehende Recht durch, dazu ist es da. Es ist also das deutsche Volk, Moslems und Juden eingeschlossen, das nicht will, dass man an Babys herumschnippelt, um ihnen eine Religion, egal welche, zu praejudizieren.
        Tut mir halbwegs leid, aber es geht nicht anders. Und, da nun mal die Diskussion laeuft, erlaube ich mir vorherzusagen, dass eine dilettantische Gesetzesrevision in dieser Sache keinen Bestand haben wird. Es ist und bleibt ein Verstoss gegen Grundrechte, wie man es auch verpackt.

      • Silke schreibt:

        na klar, wie all die vorsorglich medizinisch vorgenommenen Beschneidungen weltweit natürlich auch – irgendwo gibt’s ne Statistik dazu, vermutlich bei der WHO, die sehr für Beschneidungen ist, die zeigt, daß in Sachen Beschneidungen in Europa finsterst aussieht.

        Ne Alternative ist natürlich, alle Männer dazu zu erziehen, bis zur Ehe keusch und danach monogram zu bleiben, denn merke von dem Vorteil, den Beschneidungen bieten, profitieren nicht zuletzt Frauen und die von empfangenen Babies, deren Chance HIV-frei auf die Welt zu kommen, als Sprösslinge beschnittener Väter signifikant steigt.

        Und jetzt kommt das Argument „aber in unseren Breiten“ – und wie passt das zusammen damit, daß wir zu den Reisefreudigsten überhaupt gehören? Und natürlich öffnen alle reisenden Männer allüberall ihren Latz nur dann, wenn sie mit ihrer lebenslangen einzigen Liebsten allein sind.

        Es gibt religiöse Regeln, die nicht gaga sind und Säkularen gut zu … stünden.

      • Robin Urban schreibt:

        „Und jetzt kommt das Argument “aber in unseren Breiten” – und wie passt das zusammen damit, daß wir zu den Reisefreudigsten überhaupt gehören? Und natürlich öffnen alle reisenden Männer allüberall ihren Latz nur dann, wenn sie mit ihrer lebenslangen einzigen Liebsten allein sind.“

        Eine sehr, sehr seltsame Argumentation. Erst wird behauptet, eine Beschneidung schütze vor HIV (mag sein, aber diese Info halte ich für höchst gefährlich – da sie mit Sicherheit dazu führen würde, dass mehr Männer auf Kondome verzichten, weil sie glauben, das Risiko wäre eliminiert. Das ist es aber nicht, bei anderen Geschlechtskrankheiten übrigens auch nicht. Der Vorteil – tatsächlich leicht geringere Ansteckungsgefahr – würde daher durch die Folge – weniger Verhütung – vermutlich vollständig aufgehoben). Dann wird darauf hingewiesen, dass HIV in Deutschland im Vergleich zu anderen, vor allem afrikanischen Staaten kein allzu großes Problem darstellt („in unseren Breiten…“). Dieses Argument wird mit dem Gegenargument entkräftet, dass die Deutschen gerne reisen… und sich im Ausland vermutlich anstecken können.
        NUR: Momentan HABEN die meisten männlichen Deutschen noch eine Vorhaut und TROTZDEM haben wir keine Aids-Epidemie. Die gesamte Argumentation ist also völlig sinnlos.

      • besucher schreibt:

        Die Logik macht in Ihrer Argumentation auch gerade Urlaub, oder?

        Was sie alles so durcheinanderwirbeln…

      • besucher schreibt:

        Ach ja. Was soll dieser SPIEGEL-Artikel denn zu der Debatte hier beitragen? Dankeschön für die vertane Lesezeit.

      • tatooine schreibt:

        @Silke
        Wie wäre es denn mal mit sachlicher Betrachtung der Studien, von denen Sie vermuten, daß es sie gibt (Sie vermuten richtig). Dann würde Ihnen nämlich auffallen, daß von Ihren angeblichen signifikanten Gesundheitsvorteilen nicht so sehr viel übrig bleibt. Weder in punkto HIV noch Gebärmutterhalskrebs etc. Mal ganz davon abgesehen, daß diese Vorteile, so es Sie denn gäbe, eh erst bei Geschlechtsreife greifen würden (und nicht bei kleinen Jungs). Vielleicht würden Sie dann auch auf die Studie aus Tansania stoßen, welche eine Korrelation zwischen beschnittenen Frauen und HIV aufzeigt. Vergessen Sie bitte auch nicht, sich über die Komplikationsrate (bis hin zum Tod) zu informieren.
        Und auch der Rückgang der Beschneidungsrate in den USA ist interessant, der von 65% in 1980 auf 32,5% in 2009 zurückgegangen ist. Und in diesem Zusammenhang sollte man vielleicht auch wissen, wofür man Kindervorhäute verwendet: u.a. Kosmetik. Es gibt hier also einen Markt. Viel Spaß bei Ihrer Recherche.

      • Silke schreibt:

        nu ich finde die WHO nun mal vertrauenswürdiger als Foreskin-Man

        aber chacun à son goût

      • tatooine schreibt:

        Foreskin-Man, aha, habe ich von gehört, kenne ich aber nicht. Sehr billig als Ausrede. Aber zumindest haben Sie ja jetzt klar gestellt, daß es Ihnen nicht um Information geht, sondern darum, Ihre Vermutungen als Gewißheit zu verkaufen. Dann kann man Ihre Äußerungen zumindest richtig einordnen.
        Wie Sie schon sagten, jeder nach seinem Geschmack.

      • Silke schreibt:

        nu, wenn Du Foreskin Man nicht kennst, dann kennst Du die „Lobby“ nicht und dann kannst Du auch nicht beurteilen, welche Studie „gefärbt“ ist und welche nicht.

      • tatooine schreibt:

        Achso, die Studien der WHO etc. werden von der Lobby bezahlt, welche mit Foreskin-Man gemeinsame Sache macht. Schon klar, wie wäre es denn, mal den Logik-Modus anzuwerfen und argumentativ auf die Vorbehalte eingehen. Da Ihnen das offensichtlich mangels Masse nicht möglich ist, erübrigt sich ja eigentlich auch eine Diskussion, da Sie zu eben dieser nicht beitragen können. Die Kenntnis eines Comics ersetzt meines Erachtens nach keineswegs die sachliche Betrachtung der Studienergebnisse. Aber sie sehen das offenbar anders und haben den Comic als Basis einer fundierten Analyse gelesen. Interessante Herangehensweise, ändert aber nichts an der Tatsache, daß Sie meinen Argumenten bisher nichts entgegen zu setzen hatten. Naja, Sie können es ja nochmal versuchen. Vielleicht fangen Sie dabei an, uns zu erklären, warum trotz dieser angeblich überragenden Ergebnisse der Studien (von der Sie ja nur vermuten, daß es diese bei der WHO gibt) die Empfehlung in den USA eben nicht mehr lautet, sein Kind verstümmeln zu lassen. Wäre doch ein Anfang, trauen Sie sich. Und wenn Sie uns das erklärt haben, könnten Sie ein Statement abgeben, daß Sie ca. 120 tote kleine Jungs (allein in den USA, pro Jahr) für einen akzeptablen Kollateralschaden halten.

      • Silke schreibt:

        netter doch reichlich unbeholfener Versuch, mir das Wort im Mund rumzudrehen. Wie wär’s mal mit dem Auftischen einer Studie im Sinne von Foreskin Man von ähnlichem Renommé

        Und nicht vergessen: Es gab jahrelang noch Studien der Zigarettenindustrie, daß Rauchen gesundheitlich unbedenklich ist. Schon vergessen?

        Merke: Wer die WHO in diesem Punkt angreift, darf zu Foreskin Man nicht schweigen.

      • tatooine schreibt:

        Also immer noch keine Gegenargumente, war ja zu erwarten.
        Ihnen das Wort im Munde rumdrehen braucht man doch gar nicht, Sie disqualifizieren sich schon von allein.
        Sie haben bisher doch gar keine Studie aufgetischt. Sie propagieren lediglich die Verstümmelung von Kindern unter Hinweis auf eine Empfehlung der WHO und eine Studie, von der sie vermuten, daß Sie von der WHO gemacht wurde.

        „Studien der Zigarettenindustrie“
        Da haben Sie Recht und die Motivationslage ist ja auch klar. Und jetzt noch mal für Sie zum Mitmeißeln: es gibt auch eine geschäftliche Motivation pro Beschneidung. Ihrer Einlassung zufolge sollte man also bei Pro-Beschneidungsstudien sehr genau hinsehen.

        Merke: wer Forschungsergebnisse hinterfragt, kann auf das Lesen von Comics verzichten. Oder ist dort erklärt, wie die Forschungsergebnisse zustande kommen.

        Was haben Sie übrigens zu den Todesfällen bei Babies gleich noch gesagt?

  2. filipppiatov schreibt:

    „Willst du allen Ernstes behaupten, dass die Beschneidung keine Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit ist?“
    Nein, man muss sich nur bewusst sein, dass man das Judentum in Deutschland massiv angreift. Ob die Rettung der Vorhaut das rechtfertigt, bezweifle ich.

    Wo genau wenden sich Beschneidungsbefürworter bzw Gegner des Beschneidungsverbots gegen die Klitorisvorhautbeschneidung? Ich habe bis jetzt nichts davon gewusst.

    • Silke schreibt:

      ich erinnere mich dunkel, daß vor ein paar Jahren ein paar Ärzte diese Variante vorgeschlagen haben, in der Absicht, Eltern eine das Kind nicht beschädigende Alternative zu bieten. Daß es sich um eine vor Ort weitverbreitete Variante handelt, wurde seinerzeit nicht erwähnt. Ich vermute, weil das Argument nicht belegbar gewesen wäre.

    • paulo3d@yahoo.de schreibt:

      „Nein, man muss sich nur bewusst sein, dass man das Judentum in Deutschland massiv angreift.“
      Ich denke hier liegt eine Verwechslung vor. Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einem säkulären Staat, dass sich alle und damit auch die allerwichtigsten religiösen Pflichten am rechtlichen Rahmen orientieren, so hart es klingt: „unterordnen“. Wenn wichtige Vertreter des Judentums jetzt Extrawünsche äußern, oder gar eine Anpassung geltenden Rechtes an religiöse Riten fordern, wird das Judentum nicht angegriffen, es greift an. (um im martialische Jargon zu bleiben)

  3. ThiloS schreibt:

    …man könnte also sagen, die Existenz des Judentums hängt an der Vorhaut. Hättet Ihr das nicht 70 Jahre früher sagen können? Was wäre der Welt alles erspart geblieben… Scherz beiseite: das Problem ist, dass sich mit Religiösen nicht diskutieren lässt. Und eben weil das so ist, gibt es den säkulären Staat. Und „ja“, da hat sich auch eine zigtausend Jahwe alte Religion dem Kölner Amtsgericht unterzuordnen. Lästig, aber notwendig.

  4. Dicker Onkel schreibt:

    Hm, wenn ich die Kategorisierung aller Israelfreunde so lese – 1. sind also alle Israelfreunde eigentlich keine Freunde Israels, sondern verkappte sonstwas Negatives. 2. bin ich offenbar kein Israelfreund, denn ich gehöre keiner der kategorisch festgelegten Gruppierungen an.
    Hm….

  5. Karl Theodor schreibt:

    Egal wer was aus welchen Grund am Penis beschneidet. Dieser archaische Phallusritus – wie auch viele andere religiösähnliche Beschwörungen eines „Fortpflanzungsorganes“ – ist für säkular-liberale Denker mindestens befremdlich.
    Juristisch „muss“ es eine Körperverletzung sein im Sinne eines medizinisch-juristischen Eingriffes. Auch von daher ist die ganze Aufregung nicht zu verstehen. Außer, dass diverse Interessensgruppen ihre Spielchen betreiben. Sommerlochfantasien?

  6. Ahmad Ali schreibt:

    Antisemitismus wird definiert als Bekämpfung jüdischer Eigenart, und von daher ist jede Kampagne gegen die rituelle Beschneidung im Kern anitsemitisch, ob es den Protagonisten gefällt oder nicht. Israelsolidarität und Antisemitismus sind ja auch kein Widerspruch.

    Das sieht man sowohl im antideutschen, als auch im neurechten Spektrum. Lediglich christliche Fundis werden hier nachdenklich, und zum Glück auch weite Teile der Politik, denen klar sein dürfte, welche Konsequenzen drohen.

    Wie beim Schächtverbot 1933 geht es den Antisemiten um die Machtfrage, damals populistisch als Tierschutz getarnt, heute als Kinderschutz und eher gegen den Islam gemeint (mit den Juden als Kollateralschaden, man sieht sie doch eh lieber in Israel!).

    Diese Machtfrage müssen Juden und Muslime in Deutschland gemeinsam beantworten. Das heißt, Stärkung des Minderheitenschutzes und positive gesellschaftliche Zusammenarbeit. Beispielsweise sollte man über die Schaffung gemeinsamer jüdisch-muslimicher Kindergärten nachdenken,

  7. filipppiatov schreibt:

    Ich unterstelle den Freunden Israels keinen Antisemitismus, sonst stünde es im Text.

  8. Ahmad Ali schreibt:

    „Die Freunde Israels“ sind natürlich nicht alles Antisemiten. Ich sagte nur, dass Israelsolidarität und Antisemitismus kein Widerspruch sein müssen, wie sich aktuell mal wieder zeigt. Ich definiere Antisemitismus jedenfalls so, dass er gerade in so einer Kampagne manifest wird.

    • besucher schreibt:

      Ach komm Ahmad Ali,

      Du versuchst ganz einfach einen Fuß in den Türspalt zu setzen der sich hier gerade auftut.
      Nur dass man mal nicht einer Meinung ist (Israelfreunde und gleichzeitig Knabenbeschneidungsgegner) heißt dass glaube ich noch nicht dass man sein Kind gleich in einen jüdisch-muslimischen Kindergarten schickt.

      Unterschiedliche Meinungen gehören einfach dazu, hier bezweifelt auch niemand dass die Juden auch in 100 Jahren noch ihre Kinder beschneiden lassen.

  9. aron2201sperber schreibt:

    „Das Fundament für die Gründung eines jüdischen Staates war – diese simple Tatsache wird gern übersehen – die Existenz des jüdischen Volkes, welches nach vielen Jahrtausenden immer noch als Volk und Glaubensgemeinschaft bestand.“

    dieser Einwand ist zwar richtig.

    er wurde jedoch – zumindest von mir – nicht übersehen.

    so hoch der Verdienst der Vorfahren eingeschätzt werden muss, sich die Jüdischkeit dank strenger Regeln bewahrt zu haben, so muss doch beachtet werden, dass die Welt, in der es notwendig war, so zu leben, sich gravierend geändert hat.

    früher hieß es entweder Konvertieren oder Ghetto

    Juden können heute – zumindest dort wo es Verfassungsstaaten mit Grundrechten gibt – als Juden leben ohne als Bevormundete in ein Ghetto gesperrt zu sein.

    was die Juden in ihrem Ghetto mit den Vorhäuten ihren Kindern anstellten, war den alten Herrschern gleichgültig.

    einem Rechtsstaat, der alle Bürger gleich behandeln soll, kann es hingegen nicht egal sein.

  10. Pingback: Gehen uns die Vorhäute nichts an? « Aron Sperber

  11. Pingback: “Die latente Unehrlichkeit ihres positiven Israel-Knacks…” – eine Diskussion der Gegner der Gegner der Beschneidung « Nichtidentisches

  12. Pingback: antibuerokratieteam.net » Beim Häuten des Schniedels

  13. riccardo borghese schreibt:

    Am deutschen Wesen soll also die Welt genesen

    Absolut nicht. Ich glaube den Deutschen sind Vorhäute relativ egal. Wenn sie jetzt aber ihr heiliges GG ändern sollen, werden sie offensichtlich sauer. Zu recht, wie ich meine.

  14. Schmidt-Salomon schreibt:

    Hier tummelt sich leider ein Haufen Ahnungsloser. Die Beschneidung verstößt gegen die Grundrechte allein dann, wenn sie vom Staat veranlasst wird, denn Grundrechte im GG sind Abwehrrechte gegen den Staat. Die Beschneidung verstößt somit nur gegen das Strafrecht. Vielleicht sollte man hier nachbessern, damit die Praxis der Beschneidung rechtlich einwandfrei ist.

    • Karsten schreibt:

      Das ist nicht richtig, Herr Schmidt-Salomon. Das Grundrecht der koerperlichen Unversehrtheit ist nicht nur ein Abwehrrecht gegen den Staat, sondern gilt prinzipiell uneingeschraenkt. Der Staat schuetzt es durch das Strafrecht, so wie auch andere Grundrechte.

    • riccardo borghese schreibt:

      Werter Schmidt-Salomon,
      natürlich sind Grundrechte Abwehrrechte, aber sie bilden natürlich auch die Norm für die gesamte Gesetzgebung. Wenn sie z.B.linker Hand eine religiös begründete Körperverletzung im Strafrecht erlauben wollen kollidieren sofort Art. 2 und 3. Es wird also keiner auf die Idee kommen die Problematik auf diesem Wege zu lösen. Die Justizministerin spricht von technischen Problemen. Man wird sehen. Ein Gewurstel wird´s allemal.

    • tatooine schreibt:

      „Hier tummelt sich leider ein Haufen Ahnungsloser.“

      schreibt der Ahnungslose.

  15. heryk schreibt:

    Die christlichen Kirchen haben die Taufe vom kompletten Untertauchen in ein symbolisches Begießen des Kopfes umgewandelt. Gleichermaßen kann man von Judentum und Islam erwarten, die Beschneidung in einen unblutigen, symbolischen Akt umzuwandeln. Wer sich dem verschließt, macht aus der Vorhaut ein goldenes Kalb.
    Die Religionen, aus denen das Judentum hervorging, opferten die erstgeborenen Söhne ihren Göttern. Mit dieser Tradition brach das Judentum und opferte ersatzweise die Vorhaut. Auch mit dieser Tradition zu brechen, ist in heutiger Zeit mehr als überfällig.

    • anti3anti schreibt:

      Die Kirche hat die Kreuzigung ihres jüdischen Gottes in einen blutigeren, nicht symbolischen Akt umwandelt: in die Ermordung von Juden.
      Die Riten sowohl des Judentums, als auch des Christentums beinhalten jüdisches Leid. Es ist bequem, die Juden zu verdammen und die christlichen Angriffe auf Juden auf „Symbolik“ zu reduzieren.
      Ich schlage vor, dass die Kirche damit aufhört, einen erstgeborenen beschnittenen Juden den Göttern zu opfern, gleichzeitig die Schuld für diese Untat den Juden anzulasten. Wenn die Folterinstrumente aus den Kirchen verschwinden, können wir ungezwungen über Brit Mila diskuttieren.

      • besucher schreibt:

        Jesus wurde von Römern hingerichtet mein Bester.
        Und ich glaube kaum dass man Jesus einen Antisemiten nennen kann nur weil er die Pharisäer kritisierte.
        Übrigens waren die Apostel auch Juden. By the way.

      • anti3anti schreibt:

        Kluger Kommentar. Man könnte ihn auch als sinnlos bezeichnen.
        Ich bin nicht Ihr Bester.

  16. toaias rueger schreibt:

    alles antisemiten ausser mami. Aber ernst beiseite: war wuerde passieren, wenn ab morgen keine minderjaehrigen mehr ohne medizinische notwendigkeit beschnitten wuerden? Wuerde das judentum aufhoeren, zu existieren? Wuerde israel von den moslems ueberrannt? Wenn ja, wuerde ich sicherheitshalber auch steinigen wieder einfuehren – damit die alten hebraeer-braeuche gewahrt bleiben.

  17. frauschmockheim schreibt:

    Kennt hier eigentlich eine/r „Eine Vorhaut klagt an“(Shalom Auslander, Berlin Vlg.2008)Orig.Ausgabe 2007 ,Riverhead books“Foreskin`s Lament“
    EINE VORHAUT KLAGT AN ist Shalom Auslanders große Abrechnung mit Gott,es ist die Geschichte eines jungen Mannes,dessen Leben gezeichnet ist von Angst und Schrecken vor Gott und gleichzeitig eine kleine Geschichte der ultraorthodoxen Juden New Yorks- furchtlos
    scharf,schockierend witzig und unglaublich unterhaltsam.(N.Y.Times Book Review)
    Hab mir das Buch schon vor 4 Jahren gekauft,wirklich gut.Nähere mich der ganzen Angelegen-
    heit doch lieber von dieser (wie sagt man heute so schön) narrativen Seite.

  18. Alan Posener schreibt:

    Israel wurde nicht als religiöser Staat – wie etwa die „islamische Republik Iran“ – gegründet. Sondern als säkularer Staat für alle Juden, ob religiös oder nichtreligiös. Und die Mehrheit der frühen Zionisten war nicht religiös. Der Einfluss der Religiösen auf die israelische Politik in den letzten Jahren hat dem Land nicht genutzt, sondern geschadet. Jedoch geht es nicht darum, ob man in Israel die Beschneidung erlaubt. Sondern ob sie mit dem deutschen Grundgesetz konform ist. Die Behauptung, wer das verneint, sei Antisemit, ist absurd. Ebenso die Behauptung, wer Israel unterstützt, müsse alles, was in Israel geschieht, gutheißen. So würden der Philosemitismus und die Unterstützung Israels totalitäre Züge annehmen. Was dem Geist des Judentums und des Staates Israel zutiefst widerspricht.

    • filipppiatov schreibt:

      Herr Posener, Sie argumentieren etwas ins Leere.
      1.) Mir ging es nicht darum, wozu Israel gegründet wurde, sondern um die Existenz des jüdischen Volkes als solches, die auch – vllt sogar vor allem – der Beibehaltung der Religion zu verdanken ist.
      2.) Der Einfluss der Religiösen auf die israelische Politik ist zweifellos negativ, dagegen habe ich nicht argumentiert. Das Beschneidungsgebot hat jedoch mit diesem Einfluss wenig zu tun.
      3.) Antisemitismus habe ich niemandem unterstellt und dies auch explizit in einem Kommentar klargestellt.
      4.) Dass alles, was in Israel geschieht, unterstützt werden müsse, ist ebenfalls weder Teil meines Textes, noch meiner Meinung. Mir geht es um die Idealisierung des Staates Israel ohne Berücksichtigung der jüdischen Komponente sowie um den Versuch der Beeinflussung des Judentums von außen – ohne theologische Debatte.

  19. Andreas Moser schreibt:

    Ich falle wohl unter die Gruppe der Vollblutjuristen und Rechtsstaatler – siehe meinen Kommentar zum Beschneidungsurteil: http://mosereien.wordpress.com/2012/07/17/lg-koln-urteil-beschneidungen/ – wenn ich zur Versachlichung der Debatte darauf hinweise, daß das LG Köln Beschneidungen überhaupt nicht „verboten“ hat. Es könnte dies auch gar nicht, nicht einmal im Einzelfall. Vielmehr wurde der behandelnde Arzt vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Also eigentlich alles halb so wild.

    • Silke schreibt:

      aber die Begründung mit der das geschah, macht klar, daß jeder künftige Arzt, der’s tut, sich der Körperverletzung schuldig macht?

      • Silke schreibt:

        PS: was so es richtig ist und ich nicht völlig plemplem bin, einem Verbot von hinten durch die Brust gleich kommt.

      • Silke schreibt:

        noch’n PS: hat Montgomery sich schon geäußert?

        ich meine den Montgomery, der Sterbeerleichterungen so „schön“ den Riegel vorgeschoben hat?

      • Andreas Moser schreibt:

        Nein. Eben nicht. Das Urteil (im Volltext nachzulesen unter meinem obigen Link) stellt klar, daß aufgrund der unterschiedlichen Meinungen in Rechtsprechung und Literatur auch in Zukunft Ärzte im unvermeidbaren Verbotsirrtum – und damit schuldlos – handeln, wenn sie Beschneidungen vornehmen. Das Urteil stellt ausdrücklich klar, daß andere Gerichte Beschneidungen rechtlich anders beurteilen mögen. Es ist damit ein Freibrief.
        Die völlige Fehlinterpretation in der öffentlichen Diskussion kann ich mir nur dadurch erklären, daß niemand das Urteil gelesen hat und/oder niemand der Schlagzeilenschreiber Jurist ist.

      • Silke schreibt:

        ich hab mein „Wissen“ vom Verfassungsblog – auch alles Nichtjuristen?

    • Silke schreibt:

      was iss’n ’n Voll-BLUT-Jurist?

  20. luftikus schreibt:

    kommentar meiner freundin gabriele zum schnpseldisput :
    „dass maenner mit dem schwanz denken, hoert man oefters, jetzt erfahre ich, dass manche auch mit dem schwanz glauben. man lernt nie aus.“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s