Hamburger Hatikva

Ein Gastbeitrag von Sara Klatt

Hamburg hat eine Solidaritätskundgebung für Israel („Wir erklären uns solidarisch mit den vom islamistischen Terror bedrohten Menschen in Israel, aber auch in Gaza, Libanon, im Iran und dem Rest der Welt!“) auf die Beine gestellt.

Am Grindel, dem jüdischen Viertel Hamburgs, standen also ca. 200 Leute, mit Israel-Flaggen bewaffnet und von Scharen von Polizisten umringt, die eine alte, verrückte Dame – offensichtlich antisemitisch angehaucht – davon abhalten wollten, jeden Satz der Redner laut lachend zu kommentieren und sich auf fünf linke Pseudo-Provokateure mit Palästina-Flagge stürzten, um sie vehement auf die andere Straßenseite zu vertreiben und ihnen mit sofortiger Wirkung genau das ermöglichen, was sie erreichen wollten.

Die üblichen Parolen im Bezug auf die deutsche Geschichte abhandelnd, wurde dann von den Rednern das Geschehen in Nahost erörtert, Beifall geklatscht und gefroren.
Meine israelische Begleitung fragte mich nach einiger Zeit belustigt: „But they are not going to sing the Israeli anthem?“ (Haha, nein.)
Zwei Minuten später hieß es: „So, jetzt singen wir noch gemeinsam die israelische Nationalhymne, um unsere Solidarität auszudrücken…“

Völlig verstört schaute er mich darauf hin an und sagte: „Oh my god, I need to call my family and tell them I’m singing the israeli anthem surrounded by german police men!“ (Der Anruf löste in Jerusalem wahrscheinlich eine Massenhysterie aus; es wurde umgehend darum gebeten, diesen Schauplatz zu verlassen). Währenddessen wurde von den deutschen Israelfreunden die israelische Nationalhymne voller Inbrunst herausgeschmettert, als würde durch jeden gesungenen Ton eine Rakete aus Gaza umgeleitet. Selbstverständlich begleitet von der verrückt lachenden alten Dame, auf der die Blicke der Polizisten lagen.

Der Einzige, der mein Herz nachhaltig erwärmte, war ein Jerusalemer Rabbiner; gestern angereist, des Deutschen nicht mächtig, daher meines Erachtens einer der wenigen authentischen Redner und zusammen mit einem Vorstandsmitglied der jüd. Gemeinde der einzig erkennbare orthodoxe Jude (Von seinen Kollegen in Israel wahrscheinlich nicht gerade um diesen Auftritt beneidet).
Beim letzten Ton der Nationalhymne wurde noch ein schnelles „Shalom, laila tov“ in die Runde geworfen, dann wurden augenblicklich die Israel-Flaggen zusammengerollt und jeder ging seiner Wege.

Ich habe alles vermisst; Solidarität, Authentizität, Menschen, die wirklich von Israel reden und überhaupt Menschen, die miteinander reden. Und für meinen Israeli zumindest ein winziges bisschen „Israeli spirit“. Gottseidank findet er die Deutschen nicht erst seit gestern sonderbar…

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Eine Antwort zu Hamburger Hatikva

  1. Henryk schreibt:

    So schlecht war die Veranstaltung nicht. Sei froh, daß es überhaupt israelsolidarische Kundgebungen gibt und sich Menschen (auch und vor Allem Nicht-Israelis) sich um Israel sorgen. In Hamburg gab es „Free Hamas“ Demos mit 5x so vielen Leuten. Das ist besorgniserregend, meiner Meinung nach. Und daß dort Polizei vor Ort war liegt nicht an den Veranstaltern. Warum so negativ?

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