Der Sozialgedanke, der keiner ist

Drei Gebote beherrschen Deutschland. Erstens „Nie wieder Hitler“. Zweitens das Reinheitsgebot. Und drittens die Liebe zum Sozialstaat. Das Erste umgeht man, in dem man nun israelische, statt jüdische Waren boykottiert. Das Zweite ist tatsächlich heilig. Und das Dritte noch nicht am Höhepunkt angekommen.

Während linke Parteien für einen Spitzensteuersatz von 49% kämpfen, verteidigen Liberale die jetzigen 42%. Als würden 7 Prozent über Freiheit oder Kommunismus entscheiden. Die Steuerfreudigkeit ist in Deutschland derart hoch, dass die Grünen mit ihrem Wahlprogramm tatsächlich nicht an Beliebtheit einbüßen. Denn das Ziel der Steuererhöhungen ist klar: Soziale Gerechtigkeit. Und dagegen hat wohl niemand etwas.

Soziale Gerechtigkeit. Das heißt, den Armen zu helfen und den Schwachen. Moralisch, aber vor allem finanziell. Das ist sozial!, sagen sie uns. Aber eine linke, eine sozialistische Partei, kann den Armen nicht helfen. Sie will es nicht und kann es auch nicht wollen.

Sie versuchen es nicht einmal. Denn ihre Hilfe ist vielmehr Selbsthilfe. Das Geld, das Monat für Monat den „Armen“ überwiesen wird, dient nicht deren Unterstützung, sondern einzig und allein deren Gefügigkeit und Kontrolle. Eine liberale Verschwörungstheorie? Wir werden sehen.

Die meisten Ideologien brauchen ein Feindbild. Das der Sozialisten ist der Reiche. Doch wer ist der Reiche? Wer reich ist, ist frei. Man wird reich, um frei zu sein. Und Unfreiheit geht mit Armut einher. Die Linken wollen die Reichen zügeln, ihr Streben nach Wohlstand und damit auch nach Freiheit bändigen. Sie wissen, dass der Mensch in Freiheit Eigenschaften entwickelt, die ihnen am lästigsten sind. Er wird selbstbestimmter, stärker, unabhängiger. Kurzum: Er wird freier. Die Freiheit macht ihn reich, der Wohlstand macht ihn freier.

Der Wunsch, Reichtum und damit Freiheit zu bändigen, zeugt von einem zutiefst negativen Menschenbild. Die Entlassung des Menschen, der Gesellschaft in die Freiheit – nichts anderes ist der Kapitalismus – entfaltet Eigenschaften in ihm, die dem Sozialisten nicht passen.

Welchen Anreiz könnte ein Sozialist haben, für den Menschen da zu sein? Welche Motivation besitzt er, dem Bösen zu helfen? Keine, sie existiert nicht. Wozu einem Armen helfen, reich zu werden und damit das Feindbild nähren? Der Mensch ist per se schlecht und Schlechtem hilft man nicht.

Nein, der Sozialismus ist nicht für die Armen da. Er ist für die Armut da. Denn Armut ist Tugend; zwar ist sie Unfreiheit, aber gerade deshalb auch Tugend. Die Aufrechterhaltung der Armut ist die Verhinderung von Reichtum und damit die Unterdrückung des Schlechten. Die Abwendung des sozialistischen Albtraums, des „Teufelskreises“ Freiheit-Wohlstand-Freiheit.

Für wen der Sozialist kämpft, ist nicht der Arme. Es ist die Idee von Gerechtigkeit, die Idee von Armut als Naturzustand, die über Mensch und Wirklichkeit gestellt wird. Wir haben keinen Sozialstaat, sondern eine Armutsindustrie.

Da sämtliche Parteien sich diesem Denken angeschlossen haben und dem Prinzip der Selbsterhaltung folgen, ist für politisch Andersdenkende kein Land in Sicht. Natürlich, wir können auswandern. Aber bis dahin erklären wir noch, wie es anders sein kann und weshalb. Willkommen in der Welt des Libertarismus.

Word kennt dieses Wort nicht und streicht es rot an. Aber ich deute das nicht als Zeichen der sozialistischen Unterwanderung. Obwohl…?

Nein, der Libertäre unterscheidet sich vom Sozialisten durch sein grundlegend anderes Menschenbild. Das des Libertären ist gut, das des Sozialisten böse. Libertäre sind nicht blind und sprechen dem Menschen jegliche schlechten Eigenschaften ab. Sie sagen nur, dass er sie selbst kennt und in der Lage ist, sie zu kontrollieren. Dass es keine  Kommission, kein Parlament und keine Regierung braucht, um ihn zu erziehen.

Im Libertarismus handelt und lebt der Mensch nicht für Ideologien und auch nicht für den Nächsten. Er ist rational und versucht, das Meiste für sich rauszuholen. Da alle anderen das auch tun, ist es fair. Und da man gemeinsam wirtschaftet, profitiert man vom Gewinn des Nachbarn – übrigens gelebte, aber unausgesprochene Realität.

Trotz Egoismus und Freiheit gibt es Sozialsysteme. Doch gibt es sie nicht, weil es sie gibt. Es gibt sie in der Form, in der man sie braucht. Da sogar der Reichste sich fürchtet, arm zu sein und der Gesündeste Angst vor Krankheiten, gibt es Versicherungen. Und da der Reiche zwar frei und egoistisch, aber keineswegs herzlos ist, spendet er.

Doch die Libertären kämpfen gegen die Angst. Gegen die Angst, arm zu sein. Viele Jahrzehnte sozialdemokratischer Politik haben den Menschen den Freiheitsdrang genommen und ihn durch das Sicherheitsbedürfnis ausgetauscht. Und egal, was Libertäre sagen werden, die Menschen werden ihnen nicht folgen. Zwar will der Libertarismus gar nicht, dass man ihm folgt. Aber die Deutschen wollen es. Sie wollen folgen.

Über filipppiatov

Welcome! Check out my new blog www.gdlf.me It's for everyone who's into entrepreneurship, social media and food.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Der Sozialgedanke, der keiner ist

  1. Komischer Kauz schreibt:

    Der Zusammenhang von Reichtum und individueller Souveränität scheint erstmal evident zu sein.

    „Die Linken wollen die Reichen zügeln, ihr Streben nach Wohlstand und damit auch nach Freiheit bändigen.“

    Naja, eigentlich wollten die Linken die Reichen nur insofern zügeln, wie diese im Streben nach Reichtum die Freiheit der Anderen einschränken. Das liegt m. E. an der immernoch weit verbreiteten – wie diffus auch immer – marxschen Ausbeutungstheorie, die den Reichen nur als Ausbeuter denken kann. Allerdings unterstellt Marx nicht etwa ein schlechtes Menschenbild, weshalb er von Charaktermasken spricht, sondern beschreibt Armut und Reichtum als Ergebnis eines systematischen Zwangs zur Ausbeutung. Diesen Zwang verortet er im sogenannten kapitalistischen „Wertgesetz“. Ausbeutung sei institutionalisiert im Zusammenwirken von Staat und Ökonomie.

    Auch wenn der letzte Satz wahr geblieben ist, so ist das „Wertgesetz“ derart zweifelhaft geworden, dass es den Linken mittlerweile peinlich ist. Lieber bedient man sich heute staatlicher Institutionen und gibt Marx unfreiwillig recht:

    „Denn ihre Hilfe ist vielmehr Selbsthilfe. Das Geld, das Monat für Monat den „Armen“ überwiesen wird, dient nicht deren Unterstützung, sondern einzig und allein deren Gefügigkeit und Kontrolle.“

    Was Marx mit dem Wertgesetz zu beschreiben versuchte, nämlich den Selbstzweck der bürgerlichen Institutionen, hat die Linken also längst selbst erfasst, wo der demokratische Rechtsstaat (seinem Begriff nach) doch nur die Bedingung individueller Freiheit sein soll.

  2. Pingback: Fundstück: Die Idee von “Gerechtigkeit”Ohne Maulkorb: Vorsicht, bissiger Zyniker! | Ohne Maulkorb: Vorsicht, bissiger Zyniker!

  3. nometa schreibt:

    Ich habe mich viel mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie befasst und mich gewissermaßen verliebt in ihre einfache Logik, alles Wirtschaftliche zu erklären. Nur leider sind fast alle „Österreichischen“ Ökonomen Libertäre. Und was das heißt, das kann man in jedem libertären Forum und in jedem zweiten libertären Artikel sehen: Alle Staatshilfeempfänger werden „Schmarotzer“, „Parasiten“, „Diebe“ etc. genannt. Die Sprache sagt viel über einen Menschen aus. Wer solche Wörter verwendet – und Libertäre tun das meiner Erfahrung nach ständig – der kann mir nicht weismachen, er wolle eine bessere Welt, in der es auch den Menschen besser geht, denen er die staatliche Hilfe entziehen will. Nein, wer es „unmoralisch“ (Ron Paul) findet, den „Produktiven zu nehmen, um den Unproduktiven zu geben“, der ist kein netter Mensch. Ich war sehr aufgeschlossen gegenüber dem Libertarismus, ich dachte: „Vielleicht würde es so wirklich allen besser gehen?“ Aber das ist eine Illusion, eine Lüge, die von libertären gern verbreitet wird. Ich habe noch kein einziges Mal einen Libertären gelesen, bei dem ich das Gefühl hatte, der will wirklich für alle etwas Gutes.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Libertäre sind leider Psychopathen, Sozialdarwinisten, oder um es griffiger auszudrücken: Sozialrassisten. Das ist meine Erfahrung,

    Ein Buch, das in libertären Kreisen sehr geschätzt wird, ist „Economics! Über Wirtschaft und Misswirtschaft“. Auf amazon gibt es eine gute Drei-Sterne-Rezension dazu. Es wundert mich gar nicht, was am Ende der Rezension steht: Natürlich wird im Buch auf die Schwächsten hingehaut. Wie wohl in jedem libertären (oder „österreichischen“) Buch.

    Und noch ein letztes Mal, an alle Libertären, die das lesen: Kommt mir bitte nicht mit Menschenfreundlichkeit. Die habt ihr nicht, also hört auf, zu heucheln. Danke.

    • respostalibertaria schreibt:

      Der Autor spricht in seinem Beitrag Selbstverständlichkeiten an. Natürlich haben Libertäre im Gegensatz zu Sozialisten ein radikal anderes Verständnis davon, wie Menschen sind und was gut für sie ist. Sozialisten glauben, Menschen müssten von anderen (besseren? intelligenteren?) Menschen fremdbestimmt werden, Libertäre halten dem entgegen, dass jeder Mensch Verantwortung für sich selbst übernehmen muss. Das ist gewissermaßen das Axiom, aus dem sich alle weiteren Folgerungen ableiten lassen.

      Was wäre die Alternative? Dass dem „Reichen“ genommen wird, um es dem „Armen“ zu geben? Mit welcher Begründung? Mit welchem Recht? Auf welcher Grundlage? Und wer hat überhaupt die Autorität, darüber zu entscheiden, wer als „reich“ oder „arm“ gilt und deshalb zu zahlen oder zu empfangen hat?

      Zeugt es nicht gerade von einem positiven Menschenbild, wenn man Menschen zugesteht, dass sie selbst am besten wissen, was gut für sie und ihre Umgebung ist? Sind freiwillige finanzielle Zuwendungen, für Menschen und Zwecke, die einem wirklich am Herzen liegen, nicht besser als Zwangsabgaben in Form von Steuern? Schaffen Sozialsysteme etwa keine Abhängigkeiten?

      Der Vorwurf, Libertäre seien „unsozial“ – das Lieblingsadjektiv der politischen Linken – ist so alt wie der Libertarismus selbst. Er ergibt sich einfach aus einem völlig anderen Menschenbild, das Linke prägt. Wenn Libertäre als

      „Psychopathen, Sozialdarwinisten oder um es griffiger auszudrücken: Sozialrassisten“

      bezeichnet, zeigt er nicht nur, wie tief verankert sozialistisches Denken in ihm verankert ist („Wirtschaft ist ein Nullsummenspiel“, „Wenn ich etwas gewinne, verlierst du“). Er beweist auch, dass er sich nicht einmal vorstellen kann, dass Menschen ohne eine wie auch immer geartete Autorität füreinander Verantwortung übernehmen und einander helfen können. Eine traurige, traurige Welt…

      Der letzte Absatz des obigen Kommentars war im Übrigen vollkommen überflüssig und zeugt von purer Ignoranz: Was nimmt sich jemand heraus, ALLEN Libertären vorzuwerfen, sie trügen keine Menschenfreundlichkeit in sich! Ihnen auch noch zu sagen, sie seien Heuchler. Wer ist hier der Heuchler, wenn er Vokabeln wie „Psychopathen“, „Sozialdarwinisten“ und „Sozialrassisten“ benutzt, und dann sagt, er sei Menschenfreund?!

      Ich lasse Libertären und mir selbst meine Menschenfreundlichkeit nicht absprechen. Im Übrigen: Du kennst mich nicht! Danke.

  4. arnd schreibt:

    Die lieben erfolgreichen sollten mal sorgen,
    das in unerer Region produziert und gearbeitet werden kann, sonst muß ja Armut platz greifen!
    Nein, we play global/slave and cash und sind so klug als erfolgreich in germany zu residieren.
    Und dann wollen sie noch gewählt werden…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s