Meine Daten, seine Daten

Dass ausgerechnet Obama die größten Bemühungen unternimmt, die Menschheit auszuspionieren, ist angesichts seiner messianisch anmutenden Öffentlichkeitswirkung durchaus amüsant. Noch amüsanter ist jedoch die Empörung seiner größten Fans hierzulande. Offenbar geht es nicht in ihre Köpfe, dass Obama, der europäische Amerikaner, der Nachfolger des verhassten G.W. Bush und schließlich Friedensnobelpreisträger; dass die einzige Hoffnung auf das Ende des amerikanischen Traums der größte Datenräuber der Welt sein soll.

Was jedoch verwunderlicher ist, als das Datensammeln der NSA – das ist nämlich völlig logisch – ist das Unverständnis, mit der hierzulande darauf reagiert wird. Die Deutschen befinden sich in einem Zwischenspiel aus Staatsgläubigkeit und dem letzten Rest ihres Freiheitsempfindens.

Der Mensch scheint nicht zu verstehen, dass ein Staat nicht anders kann und nie anderes können wird, als sich immer weiter in die Privatsphäre des Bürgers einzumischen. Dabei gilt eigentlich eine simple Maxime: Wer Steuern zahlt, muss Überwachung in Kauf nehmen. Und wer Steuern zahlen will, muss auch Überwachung wollen.

Denn was ist der Staat? Eine Bürgervertretung ist er keineswegs. So wenig, wie Siemens, BASF und Bayer die Vertretung ihrer Mitarbeiter als Unternehmensziel haben, so wenig ist der Staat darum bemüht, unsere Interessen zu verwirklichen.

Es entspricht nicht dem Konzept eines Staates, selbstlos zu sein. Ebenso, wie es nicht dem Konzept des Menschen an sich entspricht.

Warum sollte ein Politiker nicht sein eigenes Wohl im Kopf haben? Warum sollte er nicht versuchen, sich für die Zeit nach der Politik vorzubereiten? Wie könnte er nicht daran denken, seine Kontakte zu nutzen, um Freunde, Verwandte und Kinder gut unterzubringen? Weshalb sollte ihm nicht daran gelegen sein, sein Arbeitsumfeld, sprich den Staatsapparat, immer weiter auszubauen, um der Gefahr vorzubeugen, nicht gebraucht zu werden?Selbstverständlich sind Politiker hauptsächlich damit beschäftigt, Ämter, Kommissionen, Ausschüsse und endlos viele Behörden einzurichten. Alles andere wäre unmenschlich.

Fragen Sie sich beim nächsten Behördengang einfach, wozu die sie da ist. Setzt sie Ihre Interessen um oder sieht es viel mehr danach aus, wie ein Beamtenbeschäftigungsprogramm?

Der Schritt zur Überwachung ist nicht weit. Der Staat liest ihre Mails nicht aus Bosheit. Er liest sie auch nicht aus Angst vor Ihnen als potentiellem Terroristen. Er liest ihre Mails und ortet Ihre Handys, weil er es kann.

Ebenso, wie er Steuern erhebt, obwohl er im Geld schwimmt.  Der Fiskus will Ihre 30% nicht, um konkrete Ziele zu erreichen, einen Flughafen zu bauen, eine Universität zu finanzieren oder die Forschung zu stärken. Sonst läge unsere Steuerquote bei einem Bruchteil der heutigen. Die Ausgaben, die unser Staat tätigt, gäbe es ohne ihn nicht; er erfindet sie. Und auch das tut er nicht aus Bosheit, sondern weil er es kann. Der Staat ist da, Ihr Geld ist da, der Staat kann es sich nehmen, er tut es. Eine Kette von Ereignissen, die leider nicht hinterfragt wird.

Warum sollte es mit Ihren Daten anders sein? Sie existieren doch und der Staat ist in der Lage, an sie ranzukommen. Ob er sie braucht, ist irrelevant. Ob sie ihm helfen, interessiert nicht. Der Staat ist ein Organismus, das sich instinktiv ausbreitet. Nicht demokratisch, weil man ihn darum gebeten hat, sondern rein automatisch. Er will Ihnen nichts Böses, wozu auch. Er interpretiert lediglich die Verantwortung, die Sie ihm übertragen haben.

Wie ein voller Kühlschrank, den der Mitbewohner füllt und Sie nicht aufhören können, zu fressen. Sie haben nichts gegen den Kollegen, er ist ein netter Kerl. Sie fressen aus Pflichtgefühl. Ihm und den Lebensmitteln gegenüber.

Über filipppiatov

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