Ich trete ein, weil…

Wer sich in liberalen Kreisen bewegt, dürfte einen beträchtlichen Teil der letzten Tage auf Facebook verbracht haben. Jeder, der sich irgendwie zum Liberalismus hingezogen fühlt, meldet sich zu Wort, prophezeit, warnt, fordert und hofft. Sämtliche Flügel der FDP und auch des Liberalismus spüren, dass der Neuanfang ihrer politischen Einstellung helfen könnte und wähnen ein bald entstehendes oder bereits entstandenes Vakuum.

So geht es auch mir. Drei Jahre lang war ich Mitglied bei den Jungen Liberalen, engagierte mich 2009 im Bundestagswahlkampf für die FDP. Irgendwann, nach der Aufgabe sämtlicher Wahlversprechen, trat ich aus.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wieder einzutreten. Hier erkläre ich, weshalb.

Erstens. Die FDP ist nicht mehr im Bundestag vertreten. Sie kann also – selbst wenn sie unbedingt möchte – keine illiberalen Entscheidungen treffen oder mittragen. Als Basismitglied einer Partei über Liberalismus zu diskutieren, während die Abgeordneten Euro-Rettungsschirme blind absegnen und – gegen die Windmühlen des Kommunismus kämpfend – einen Steuersatz von 42% verteidigen, liegt jenseits meiner Toleranzgrenze, deshalb trat ich aus. Die jetzige FDP ist – bundespolitisch gesehen – nicht mehr als ein Debattierclub. Und genau das braucht der deutsche Liberalismus, ein Spielzimmer der Ideen, um die ersten Kämpfe auszutragen, um zu überleben oder aufzugeben.

Zweitens. Als einzige Partei hat die FDP einen libertären Flügel. Durch die parlamentarische Ungebundenheit und die Aktivitäten der Guillotine innerhalb der Führungsriege hat dieser Flügel – ebenso wie jeder andere – nun die Möglichkeit, sich offen zu zeigen und seine Forderungen uneingeschränkt und ohne einen Hauch „realpolitischer Sozialdemokratisierung“ zu präsentieren. Zwar überlegen nun auch die Grünen, liberale Themen zu  besetzen, was mir jedoch wenig aussichtsreich erscheint. Aber falls sie doch reüssieren, umso besser! Nichts fordert eine freiheitliche politische Strömung so sehr, wie Wettbewerb und Konkurrenz.

Drittens. Als Euro-Kritiker bekommt man in der FDP oft zu hören, man möge doch zur AfD gehen. Wären 14.000 Bernd Luckes in dieser Partei, wäre ich längst drüben. Doch trotz vieler überragender Eigenschaften dieses Mannes ist die Basis und das Umfeld der AfD ein hoch konservatives, oft nationales und wenig tolerantes. Die Diskussionen sind einmütig und stark ideologisiert, es dominieren Wut und Empörung. Die verschwörungstheoretisch anmutende Selbststilisierung zum benachteiligten (aber gefürchteten) Außenseiter tut ihr Übriges.

Hiermit lade ich auch alle anderen Libertären ein, in die FDP einzutreten. Der Eintritt in diese FDP ist kein Bekenntnis zur deutschen Demokratie, zu deutschem Staat oder deutschem Parlamentarismus. Der Eintritt in diese FDP ist die Bereitschaft, für seine eigene Freiheit einzustehen. Zwar gegen Widerstand, sogar gegen sich selbst liberal nennenden Widerstand, aber nicht hoffnungslos und von vornherein verloren. Austreten kann man immer.

Ich jedenfalls bin zum nächstmöglichen Zeitpunkt Mitglied der Freien Demokratischen Partei.

Über filipppiatov

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2 Antworten zu Ich trete ein, weil…

  1. Detlef Dechant schreibt:

    Bravo, Herr Piatov,
    ich brauchte nicht mehr in die FDP einzutreten, aber ich habe beschlossen, mich wieder aktiv zu engagieren! ich hoffe, dass die Yuppi-Karrieristen in der Schleimspur hinter Westerwelle nun richtig ausrutschen und das Weite suchen, was der Partei nur guttun kann (so wie 1982, als Verheugen, von Schöler, Matthäus-Maier und andere Karrieristen auch das vermeintlich sinkende Schiff FDP verließen, nicht ohne sich vorher von der SPD durch sichere Zweitverwendungen haben absichern lassen!)
    Der Rest kann vielleicht intellektuell Christian Lindner folgen, ein liberales Leitbild zu entwerfen, an dem man sich selbst und dann auch ein Wahlprogramm auf Liberalität abklopfen kann!
    Dann erübrigt es sich, immer unter Verweis auf dieses Leitbild, über Mindestlöhne, Frauenquote, Betreuungsgeld, Rettungsschirme etc zu diskutieren. man kann sich wieder richtig liberalen Themen widmen und entsprechende Forderungen formulieren und auch dafür kämpfen! Freiheit und Verantwortung sind dann wieder ein untrennbares Paar!
    Gruß
    Detlef Dechant

  2. Sida Odis schreibt:

    Nur, was nützen mir, inzwischen vollends vereinsamt und gänzlichst unverstanden, alle Problemchen mit „hoch konservativ“ oder gar „national“, wenn Lindner & Co. einzig als Guidole antreten und ansonsten nur mittelmäßiger Ersatz, anstatt in der Mitte angesiedelte Alternative zu Allem sein können/wollen/werden.

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